Der Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2025 geht an die Leipziger Comiczeichnerin Anna Haifisch. Der Preis wurde von Oberbürgermeister Burkhard Jung am 16. Juni um 18 Uhr in einer Festveranstaltung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek verliehen. Die Laudatio hielt der Verleger, Autor und Kurator Jan Wenzel.
Gutenberg-Preis
Mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig werden seit 1959 im Gedenken an Johannes Gutenberg Persönlichkeiten und Einrichtungen geehrt, die sich "durch hervorragende, beispielgebende Leistungen um die Förderung der Buchkunst verdient machen" (Satzungsauszug). Der mit 10.000 Euro dotierte Preis steht in der Tradition Leipzigs als historisches Zentrum für Druckqualität und Buchkunstpflege. Seit 1993 wird er im jährlichen Wechsel mit dem gleichnamigen Preis der Stadt Mainz verliehen.
Gewürdigt werden sollen neben besonderen künstlerischen, technischen oder wissenschaftlichen Leistungen in den Bereichen Typografie, Buchillustration, Buchkunstedition, Buchherstellung und Verdienste bei der Verbreitung des freien Wortes.
Gutenberg-Preisträgerin 2025: Anna Haifisch
In der Begründung des Kuratoriums heißt es:
"1986 in Leipzig geboren, zählt die Comiczeichnerin und Illustratorin Anna Haifisch zu den „Stars der deutschen alternativen Comicszene“ (Karoline Bofinger). Nach ihrem Studium des Grafikdesigns und der Buchkunst an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst folgte daselbst ein Meisterschülerstudium bei Thomas M. Müller. 2013 ist sie Mitgründerin des Comicfestival The Millionaires Club, welches parallel zur Leipziger Buchmesse stattfindet und dem Comic in Leipzig eine internationale Bühne bietet. Im Herbst 2015 wird ihr Webcomic "The Artist" bei Vice.com veröffentlicht, der Haifisch den internationalen Durchbruch beschert. Zeitgleich erscheint ihr erstes Buch "Von Spatz" bei Rotopolpress. 2020 beauftragte das New Yorker Museum of Modern Art Haifisch als Comiczeichnerin für die Serie "Drawn to MoMA". Auch für den Guardian, die Zeit und Le monde diplomatique zeichnet Haifisch. 2023 zeigt das Musée Tomi Ungerer, Centre international d’illustration in Straßburg eine vielbeachtete Ausstellung mit Zeichnungen von Anna Haifisch, 2024 stellte sie im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe aus.
Die Arbeiten von Anna Haifisch zeichnen sich durch ein breites Spektrum an Medien und Formaten aus: Neben Comics, Illustrationen und freien Druckgraphiken umfasst ihr Werk auch Plakate; dem Medium Buch aber gilt Haifischs besondere Vorliebe: „Ich denke beim Zeichnen immer in Doppelseiten!“. Ihre Bilderfindungen kombinieren „amerikanische Faszination mit europäischem Witz“ (Andreas Platthaus). Ihre durch Übersetzungen und Ausstellungen international bekannten Arbeiten zeichnen sich durch eine klare Linienführung und Farbgebung und den Einsatz der Tuschfeder aus. Sie verwebt melancholische und humorvolle Elemente und greift sowohl aktuelle gesellschaftliche Themen als auch Szenen aus dem Lebensalltag auf. Ihre bekannteste Figur, "The Artist", reflektiert auf ironische Weise die Herausforderungen des Künstlerdaseins in einer von politischer Spaltung, Alltagssorgen und skurrilen Begegnungen geprägten Existenz.
Die Stadt Leipzig verleiht Anna Haifisch den Gutenberg-Preis im Themenjahr 2025, das unter dem Motto "Mehr als (eine) Geschichte" die Buchstadt Leipzig in den Fokus rückt. Sie würdigt damit nicht nur die außergewöhnliche künstlerische Qualität ihrer Arbeiten, sondern auch Haifischs Rolle als internationale Botschafterin für die Stadt. Haifisch ist die erste Comiczeichnerin, die der Gutenberg-Preis auszeichnet. Damit öffnet sie den Preis auch für ein jüngeres Publikum und fokussiert angesichts der vielfach erwiesenen Bedeutung des Bildes als Wissensressource den Preis auch in Richtung Leseförderung und Bildung benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen."
Foyerpräsentation
Ratatouille. Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2025 für Anna Haifisch
Anlässlich der Ehrung mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Preisträgerin Anna Haifisch vom 17. Juni 2025 bis 30. Januar 2026 eine Kabinettausstellung.
Gutenbergpreis auf der Seite der Deutschen Nationalbibliothek