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Der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds in der LEIPZIGSTIFTUNG vergibt einen Kommunalpreis. Im jährlichen Wechsel werden herausragende Projekte zur Förderung von Kommunalpolitik und -verwaltung oder Dissertationen aus dem Bereich Kommunalwissenschaft ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und erinnert an das Wirken von Carl Friedrich Goerdeler als Oberbürgermeister der Stadt Leipzig sowie an seine zentrale Rolle im Widerstand gegen die NS-Diktatur. Die Verleihung des Kommunalpreises erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig rund um den 2. Februar, den Todestag Carl Friedrich Goerdelers.

Preisträgerin 2026 des Kommunalwissenschaftlichen Preises: Dr. Alexa Lenz

Drei Personen schauen lächelnd in die Kamera. Rechts steht eine junge Frau. Sie hält einen Blumenstrauß und ein Bild in den Händen.
Oberbürgermeister Burkhard Jung mit Dr. Andreas Goerdeler und der Preisträgerin Dr. Alexa Lenz (von links) © Claudia Masur

Am 2. Februar 2026 wurde Frau Dr. Alexa Lenz für ihre Dissertation „Administrative Crisis Management & Public Perceptions” (Krisenmanagement in öffentlichen Verwaltungen) mit dem Kommunalwissenschaftlichen Preis ausgezeichnet.

Der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds

Die Kinder von Carl und Anneliese Goerdeler riefen 1995 zum Andenken an ihre Eltern die gemeinnützige Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung ins Leben. Stiftungszweck ist die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Kunst und Kultur. Vorzugsweise soll die Förderung der Stadt Leipzig zugutekommen. Die Nachkommen wollen damit einen Beitrag zur Erneuerung der Stadt im kommunalpolitischen und kulturellen Bereich leisten und zu einer Stärkung des bürgerlichen Engagements beitragen.

2025 ist die Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung als Zulegung in die LEIPZIGSTIFTUNG übergegangen. Die Vergabe des Kommunalpreises und des Grassi-Preises erfolgt seitdem aus dem eigenständigen Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds der LEIPZIGSTIFTUNG.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger

2025 – Stadt Mannheim

„Außerordentliches Engagement in internationalen, entwicklungspolitischen Projekten und die gezielte Förderung von Netzwerken zwischen Städten und ihrer Bevölkerung, vor allem mit der Ukraine“

2023 –  #paminafürsklima und Parnerschaftsprojekt Lippe-Lutsk

„Vorbildliche, länderübergreifende Auseinandersetzung mit und praktische Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen“

2021 – Stadt Essen und die Europaregion Pomerania

„Vorbildliche Maßnahmen zur Überwindung der corona-bedingten Krise“

2019 – Stadt Duisburg

„Brückenschlag – Projekte zur grenzüberschreitenden, europäischen Zusammenarbeit mit der niederländischen Stadt Nijmegen“

2018 – Städte Frankfurt Oder und Slubice

„Städtepartnerschaftsprojekt Frankfurt Oder/Slubice“

2016 – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Gemeindetag Baden-Württemberg, Zentralverband der Städte und Gemeinden Griechenlands für das Projekt

„Deutsch-Griechischer kommunaler Wissenstransfer“

2011 – NALAS – Network of Local Authorities of South East Europe

„Hoher kommunalpolitischer Wert der grenzüberschreitende Kooperation in der Balkanregion“

2026 - Dr. Alexa Lenz 

„Administrative Crisis Management & Public Perceptions”

2024 – Dr. Maike Rackwitz

„Understanding the causes, dynamics, and consequences of corporatization: An analysis of local government evidence in England and Germany“

2022 – Dr. Dominik Frankenberg

„Allokative und distributive Effekte der aufgabenorientierten Bedarfsmessung im kommunalen Finanzausgleich“

2020 – Dr. Lisa Schmidthuber

„Ambidexterity in Local Open Government Arenas: Analyzing Exploration and Exploitation of External Knowledge“

2020 – Dr. Benjamin Friedländer

„Kommunale Gesamtsteuerung öffentlicher Aufgaben: Bestandsaufnahme, Bewertung und Perspektiven“

2019 – Dr. Markus Kowalski

„Management von Open-Innovation-Netzwerken“

2018 – Dr. David Kaufmann

„Varieties of Capital Cities: Explaining locational policies in four secondary capital cities”

2017 – Prof. Dr. Dominik Vogel

„Führung im öffentlichen Sektor – eine empirische Untersuchung von Einflussfaktoren auf das Führungsverhalten“

2016 – Dr. Andrea Walter

„Administrative Governance: Chancen und Herausforderungen für Kommunalverwaltungen in lokaler Politikgestaltung mit Zivilgesellschaft“

2015 – Dr. Michael Broens

„Die Auslagerung kommunaler Beschaffungsaufgaben als Alternative zur internen Durchführung – Entwicklung eines multitheoretischen Entscheidungsrahmens“

2014 – Dr. André Göbel

„Verwaltung als Standortfaktor für Unternehmen. Eine interdisziplinäre und multiperspektive Analyse der Standortzufriedenheit von Unternehmen mit kommunalen Verwaltungen und Wirtschaftsförderungen“

2013 – Dr. Alexander Kroll

„Why Public Managers Use Performance Information – Concepts, Theory and Empirical Analysis”

2012 – Dr. Renate Reiter

„Wohlfahrt in neuem Maßstab? Die europäische Stadtentwicklungspolitik und ihre Umsetzung in Deutschland und Frankreich – ein Vergleich“

2012 – Dr. Torsten Schmidt

„Schulnetzplanung: Verfassungs-, europa-, völker- und verwaltungsrechtliche Fragen der räumlichen Planung des Schulwesens – dargestellt in der Schulnetzplanung im sächsischen Schulrecht“

2010 – Dr. Petra Pfisterer

„Kommunale Selbstverwaltung und Lokale Governance vor dem Hintergrund des europäischen Integrationsprozesses“

2009 – Dr. Christine Hahn

„Vergaberecht als Störfaktor bei der kommunalen Zusammenarbeit?“

2009 – Dr. Doris Holtmann

„Funktionen und Folgen von Leistungsbeurteilungen – eine Studie zur Einführung eines personalwirtschaftlichen Instrumentariums in öffentliche Organisationen“

2008 – Dr. Thomas Ammermann

„Das Konnexitätsprinzip im kommunalen Finanzverfassungsrecht“

2007 – Dr. Marion Reiser

„Zwischen Ehrenamt und Berufspolitik: Professionalisierung der Kommunalpolitik in deutschen Großstädten“

2007 – Dr. Frank Lohse

„Kommunale Aufgaben, kommunaler Finanzausgleich und Konnexitätsprinzip“

2006 – Dr. Nils Behrndt

„Neues Verwaltungsmanagement und kommunales Verfassungsrecht“

2006 – Dr. Carsten Maas

„Die verfassungsrechtliche Entfaltung kommunaler Finanzgarantien – Anwendungs- und Durchsetzungsprobleme im Spannungsfeld juristisch-finanzwissenschaftlicher Interpretation am Beispiel Niedersachsens“

2005 – Dr. Klaus Lederer

„Strukturwandel bei Erbringung kommunaler Wasserdienstleistungen aus verwaltungswissenschaftlicher Perspektive"

2005 – Dr. Carl Peter Kleidat

„Zieldefinition im Kontraktmanagement: Produkte, Nachfrage und Effekte“

2004 – Dr. Jens Philipp Karr

„Institutionen direkter Demokratie in den Gemeinden Deutschlands und der Schweiz – eine rechtsvergleichende Untersuchung“

2004 – Dr. Karsten Schneider

„Arbeitspolitik im Konzern Stadt. Zwischen der Erosion des Zusammenhalts im kommunalen Sektor und den effizienzfördernden Wirkungen organisatorischer Dezentralisierung“

2003 – Dr. Georg Raffetseder

„Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren der Verwaltungsmodernisierung. Zur Steuerung von Reformprozessen“

2003 – Dr. Ralf Daum

„Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien für bürgerorientierte Kommunalverwaltungen“

2002 – Dr. Dietmar Bräunig

„Öffentliche Verwaltung und Ressourcenbewirtschaftung“

2002 – Dr. Jörg Bogumil

„Modernisierung lokaler Politik. Kommunale Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld zwischen Parteienwettbewerb, Verhandlungszwängen und Ökonomisierung“

2001 – Dr. Elisabeth Vorbuchner

„Kommunale Allianzen. Ein modernes Instrument interkommunaler Zusammenarbeit als Reaktion auf neue Anforderungen an die Kommunen“

2001 – Dr. Lars Holtkamp

„Kommunale Haushaltspolitik im Spannungsfeld zwischen Rat, Kommunalverwaltung und Aufsichtsbehörde in Nordrhein-Westfalen“

2000 – Prof. Dr. Gerhard Schwabe

„Pilotierung von Telekooperation“

2000 – Dr. Volker Kunz

„Parteien und kommunale Haushaltspolitik im Städtevergleich“

Der Preisgegenstand

Lithografie in zwei Farbvarianten - eine hellere Variante in Hellrot-Tönen und eine kontrastreichere Variante in Graublau/Bordeauxrot. Am unteren Bildrand ist das Goerdeler-Denkmal zu sehen, im oberen Bild scheint die Silhouette des Neuen Rathauses durch.
Kommunalpreis des Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds seit 2025: Lithografie von Maria Sainz Rueda © Stadt Leipzig

Die Leipziger Künstlerin Maria Sainz Rueda hat die Grafik als mehrfarbige Lithografie in zwei Farbvarianten gestaltet. Beide farbliche Ausgestaltungen wirken ruhig und kraftvoll zugleich. Die Grafik lebt von ihren Spannungen und deutet damit auf die Ambivalenzen hin, die auch das Leben von Carl Friedrich Goerdeler prägten. Den Ausgangspunkt bildet das Goerdeler-Denkmal am Neuen Rathaus, das scharf konturiert am unteren Bildrand dargestellt ist. Im oberen Teil der Grafik scheint ganz fragil die Silhouette des Neuen Rathauses durch, fast wie ein Wasserzeichen. So verschwimmen die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die nicht reale Perspektive von Denkmal und Neuem Rathaus lädt auch dazu ein, über die Beziehung zwischen Wahrnehmung und Realität nachzudenken.

Silberne Skulptur in Form eines aufgeschlagenen Buches mit Treppenstufen.
Kommunalpreis des Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds bis 2024: Skulptur von Voigtländer/Epple © Stadt Leipzig

Der Leipziger Stephan Voigtländer schuf die Skulptur in Zusammenarbeit mit Sabine Epple, Kuratorin im GRASSI-Museum für Angewandte Kunst. Die künstlerische Arbeit zeigt ein aufgeschlagenes Buch, das symbolhaft für die Würdigung der Dissertationen zur Kommunalpolitik steht. Das Buch ist mit Treppen verbunden, die nicht nur die Erkenntnissuche verkörpern, sondern auch an die Stufen des Goerdeler-Denkmals am Neuen Rathaus erinnern. In die Außenseite des Buches sind mit Goerdelers Handschrift Textpassagen aus einem Brief an General Friedrich Olbricht vom 17. Mai 1944 eingraviert.

Dr. Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945)

Porträtfoto von Carl Friedrich Goerdeler im Anzug mit Krawatte
Carl Friedrich Goerdeler © Familie Goerdeler

Carl Friedrich Goerdeler war zeit seines Lebens ein engagierter Kommunalpolitiker. 1930 wurde er zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt. Da Goerdeler 1933 parteilos war, konnte er zunächst als Oberbürgermeister im Amt bleiben, auch wenn er der NS-Herrschaft von Beginn an mit großer Skepsis begegnete. Als sein nationalsozialistischer Stellvertreter während seiner Abwesenheit – entgegen einer ausdrücklichen Anweisung – das Mendelssohn-Denkmal entfernen ließ, trat Goerdeler im Dezember 1936 demonstrativ von seinem Amt zurück. Von 1937 bis 1939 reiste Goerdeler oft ins Ausland, um über die Verhältnisse in Deutschland zu informieren, auf den Verlust der Rechtsstaatlichkeit und die Judenverfolgungen hinzuweisen und vor Hitlers kriegerischen Absichten zu warnen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Goerdeler Teil des Widerstands gegen die NS-Diktatur. Nach dem Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Carl Friedrich Goerdeler verhaftet und nach einem Schauprozess am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Anneliese Goerdeler (1888–1961)

Porträtfoto von Anneliese Goerdeler
Anneliese Goerdeler © Familie Goerdeler

Anneliese Goerdeler begleitete den politischen Weg ihres Mannes. Sie setzte sich für die Vielfalt des Leipziger Kulturlebens ein, das besonders vom Selbstbewusstsein des Bürgertums und dessen Engagement für das Gemeinwohl getragen war. Besonders fühlte sie sich dem Leipziger Kunsthandwerk verbunden. Ihr Interesse galt vor allem den Ausstellungen im Grassi-Museum, einem der wenigen deutschen Museen für Kunsthandwerk.

Das Goerdeler-Ehrenmal

Goerdeler-Denkmal, begehbares rundes Steindenkmal
© Stadt Leipzig

Vor der Südwestseite des Neuen Rathauses erinnert seit 1999 ein begehbares Ehrenmal an den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler und seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur. Das vom New Yorker Künstlerpaar Jenny Holzer und Michael Glier konzipierte Denkmal besteht aus einem fünf Meter tiefen und im Durchmesser 2,75 Meter messenden Glockenschacht, in dem eine Bronzeglocke hängt. Auf den kreisförmigen Steinstufen stehen, chronologisch von außen nach innen geordnet, ausgewählte Zitate aus Briefen, Reden und Texten Carl Friedrich Goerdelers.

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