Fußverkehrsentwicklungsplan
Im Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP) werden Schwerpunkte für die Förderung des Zu-Fuß-Gehens in Leipzig benannt und ein zusammenhängendes Netz sicherer und attraktiver Fußwege für die ganze Stadt erarbeitet. Straßen, Wege, Plätze, Grünflächen und andere öffentliche Räume werden nach ihren besonderen Anforderungen bewertet und entsprechend berücksichtigt.
Aufbau
Der Plan besteht aus vier Teilen. Zuerst wurde bewertet, wie gut der Fußverkehr in der ganzen Stadt aktuell gefördert wird. Außerdem wurde ein Plan erstellt, der zeigt, welche Bereiche für den Fußverkehr besonders wichtig sind.
Darauf aufbauend wurden Kriterien entwickelt, mit denen konkrete Maßnahmen für den Fußverkehr bewertet und priorisiert werden können.
Im letzten Teil geht es um bereits bestehende Maßnahmenprogramme. Dort wird auch erklärt, wie neue Maßnahmen künftig in die Aktualisierungen des Rahmenplans zur Umsetzung der Mobilitätsstrategie 2030 aufgenommen werden.
Inhalt
Eine Besonderheit der Fußverkehrsförderung ist, dass sie aus vielen unterschiedlichen Maßnahmen besteht – großen und kleinen. Dazu gehören zum Beispiel wichtige Flaniermeilen in der Stadt, neue Querungshilfen über Straßen, aber auch ganz konkrete Verbesserungen vor Ort, wie das Reparieren eines Schlaglochs im Gehweg oder eine fehlende Bordsteinabsenkung vor einer Pflegeeinrichtung.
Der FVEP schafft dafür die fachlichen und methodischen Grundlagen. Er legt fest, nach welchen Kriterien die vielen gemeldeten Bedarfe bewertet und priorisiert werden, damit entschieden werden kann, welche Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollten.
Eine vollständige Liste aller einzelnen Maßnahmen für den Fußverkehr ist jedoch nicht Teil dieser Fachplanung.
Programme
Der Fußverkehrsentwicklungsplan gehört zur Mobilitätsstrategie 2030 und dessen Rahmenplan. Er schließt an die 2021 beschlossene Fußverkehrsstrategie an.
Folgende Programme zur Förderung des Fußverkehrs wurden bereits 2024 beschlossen:
Straßen und Plätze sind mehr als nur Verkehrswege – sie sind auch Orte, an denen sich Menschen begegnen und das öffentliche Leben stattfindet. Damit wichtige Ziele wie Klimaschutz, bessere Luft, Gesundheit und soziale Teilhabe erreicht werden können, braucht es Straßenräume und Plätze, die zum Gehen einladen und Raum für Austausch und Begegnung bieten.
Ein Beispiel dafür ist die Umgestaltung des Lindenauer Marktes. Nach diesem Vorbild sollen auch in anderen Stadtteilen Potenziale für attraktive öffentliche Plätze erkannt und – wo möglich – weiterentwickelt werden.
Damit sich Menschen in Leipzig sicher und barrierefrei zu Fuß bewegen können, müssen Gehwege in einem guten Zustand sein. Deshalb werden regelmäßig größere Abschnitte grundlegend instand gesetzt. Zusätzlich werden viele kleinere Schäden – zum Beispiel einzelne Unebenheiten oder beschädigte Stellen – laufend repariert
Eine barrierefreie Umgebung ist für etwa 10 Prozent der Menschen unverzichtbar, für weitere 30 bis 40 Prozent notwendig – und für alle komfortabel. Mit dem Lückenschlussprogramm sollen fehlende oder unzureichende Elemente im Fußverkehrsnetz ergänzt werden, um Barrierefreiheit und Verkehrssicherheit zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel Bordsteinabsenkungen, Gehwegnasen oder der Bau von Rampen.
Dieses Programm dient dazu, Schulwege sicherer zu machen. Dazu gehören beispielsweise neue Ampeln, Querungshilfen, Absperrungen, Beschilderungen oder zusätzliche Markierungen. Die Planung und Abstimmung der Maßnahmen erfolgt über die Arbeitsgruppe Schulwegsicherheit (AG Schulwegsicherheit).
Wenn Gehwege so stark beschädigt sind, dass sie nicht mehr mit einfachen Reparaturen instand gesetzt werden können, werden sie im Rahmen dieses Programms vollständig erneuert. Das betrifft besonders Abschnitte mit sehr schlechtem baulichen Zustand oder Stellen, an denen bisher gar kein Gehweg vorhanden ist.
Mit diesem Programm sollen kleinere oder auch temporäre Verbesserungen im öffentlichen Raum umgesetzt werden – ohne dass eine komplette Umgestaltung notwendig ist. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger zu erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Wohnquartieren.
Bedeutungsplan
Der Bedeutungsplan zeigt erstmals, welche Straßen, Wege und Plätze für den Fußverkehr besonders wichtig sind – ähnlich wie es bereits ein Hauptnetz für Straßen oder für den Radverkehr gibt. Grundlage ist eine Analyse mit Geoinformationssystemen (GIS). Dabei wurde sowohl betrachtet, welche Bereiche für den Fußverkehr in der gesamten Stadt wichtig sind, als auch in den einzelnen Stadtbezirken und Ortschaften.
Priorisierung
Mit dem Priorisierungsverfahren wird festgelegt, welche Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollten. So können die vielen notwendigen Verbesserungen im Fußverkehr sinnvoll geordnet werden. In die Bewertung fließen verschiedene Aspekte ein, zum Beispiel Beschlüsse des Stadtrats, Anträge der Stadtbezirksbeiräte und Ortschaftsräte, der Bedeutungsplan, die Unfalllage oder auch Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern.
Bürgerbeteiligung
Bei der Erstellung des Fußverkehrsentwicklungsplans wurden auch die Leipzigerinnen und Leipziger einbezogen. In einer Online-Beteiligung im Jahr 2022 konnten sie auf einer Karte Schwachstellen im Fußverkehrsnetz markieren. Auf diese Weise gingen mehr als 2.000 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Auch danach werden weiterhin Meldungen aufgenommen, zum Beispiel über den Mängelmelder der Stadt Leipzig.
Neben der Bürgerschaft waren auch Fachleute, der Stadtrat, Stadtbezirksbeiräte und Ortschaftsräte sowie die Stadtverwaltung an der Entwicklung des Plans beteiligt. Für die Erstellung des Bedeutungsplans fand außerdem ein Austausch mit der Wissenschaft und mit anderen Städten statt.