St. Clara (Basel)
Die Kirche St. Clara oder alltagssprachlich die Clarakirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der Schweizer Stadt Basel. Sie steht im Kleinbasler Quartier Clara und dominiert den Claraplatz.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An Stelle der heutigen Kirche befand sich ursprünglich ein Kloster der Sackbrüder. Dieser Orden wurde 1274 durch Beschluss des Zweiten Konzils von Lyon aufgehoben. 1279 übergab Bischof Heinrich von Isny das verwaiste Kloster dem Orden der Clarissen, welcher seit 1266 in Basel nachgewiesen ist.
Das Erdbeben von Basel 1356 zerstörte die Klosterkirche, in den folgenden Jahren wurde sie neu errichtet. Sie war circa 60 Meter lang und besass einen saalförmigen Langchor, den Nonnenchor, von vier Säulenjochen mit Polygonschluss. Daran schloss ein etwa gleich langes, dreischiffiges und damit gegenüber dem Chor doppelt so breites Langhaus an, die Leutkirche. Das Gebäude war durchgehend flachgedeckt. Die Basler Clarissenkirche war die grösste der Schweiz und eine der stattlichsten frühen Clarissenkirchen des deutschen Sprachraums überhaupt.[1] Von diesem Bau sind in der heutigen Kirche die leicht veränderte Westfassade und die anschliessenden vier Joche samt Dachwerk und dem etwas jüngeren Dachreiter mit Glocke erhalten.[2]
Im Gefolge der Reformation wurde 1531 der Nonnenchor abgebrochen. Das Kirchenschiff erhielt einen geraden Abschluss, dahinter wurde zwischen Kirche und Stadtmauer ein hufeisenförmiges Bollwerk gebaut.
Ab 1798 erhielten die Katholiken Gastrecht in der Kirche, 1853 wurde sie zur Pfarrkirche der ersten römisch-katholischen Kirchgemeinde in Basel, blieb aber im Eigentum der Stadt.

Infolge der wachsenden katholischen Gemeinde wurde eine Vergrösserung der Kirche nötig. Nach Abtragung des Bollwerks 1854 verlängerte Stadtbaumeister Amadeus Merian 1858/1859 den bestehenden Raum samt den beiden Seitenschiffen in gotischem Stil um vier Joche nach Osten und schloss ihn mit einem kurzen, polygonalen Gewölbechor ab. 1892 wurden Glasmalereien eingesetzt und die Kirche dekorativ ausgemalt.
1934/1935 fand unter der Leitung des Architekten Ferdinand Brütsch eine durchgreifende purifizierende Innenrenovation statt, welcher der Grossteil der neugotischen Ausstattung zum Opfer fiel; erhalten blieben nur einzelne Figuren des Hochaltars, Teilelemente der Glasfenster und das nun als Weihwasserbecken verwendete ehemalige Taufbecken. Anstelle des Gipsplafonds wurde wieder eine Holzdecke eingezogen, und der Chor erhielt neue Glasmalereien nach den Entwürfen von Giuseppe Scartezzini.
1973/1974 und 2009 wurde die Kirche Gesamtrestaurierungen unterzogen, die am Gesamteindruck der vorangehenden Neugestaltung nichts änderten.
Orgeln
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die große Orgel auf der Empore im hinteren Bereich der Kirche wurde 1993 von Metzler Orgelbau (Dietikon) erbaut. Das Instrument hat 40 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[3]
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- Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P
Neben der Hauptorgel steht im Chor ebenerdig in der Nähe des Altars eine Chororgel, die 1976 in der Manufaktur Orgelbau Graf in Sursee entstand. 1986 und 2011 führte die Erbauerwerkstatt jeweils eine Revision durch. Das Instrument hat einen Umfang von 11 Registern auf zwei Manualen und Pedal.
Die Disposition lautet:[4]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
Seit 2023 steht mit einem Orgelpositiv als Leihgabe ein weiteres Instrument im Chor. Es stammt von einem unbekannten italienischen Orgelbauer und in seinen ältesten Teilen aus dem 17. Jahrhundert. Sein Umfang beschränkt sich auf fünf Register (Principale 8′ – Flauto in duodecima 2 2⁄3′ – Ottava 4′ – Decimaquinta 2′ – Decimanona 1 1⁄3′), das Pedal ist angehängt.
Sonstiges Engagement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der religiösen Tätigkeiten in der Kirche St. Clara finden dort immer wieder andere kulturelle Veranstaltungen statt wie etwa Buchvernissagen oder Ausstellungen. So zeigte beispielsweise im Sommer 2019 die Basler Künstlerin Heikedine Günther dort Malerei in der Ausstellung «Core & Cosmos».[5] Über die Website der Kirche ist es ebenfalls möglich, verschiedene Räume der Pfarrei St. Clara zu mieten.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Casimir Hermann Baer, Rudolf Riggenbach, Paul Roth: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt. Band 3. E. Birkhäuser, Basel 1941, S. 290–317.
- Helmi Gasser: Clarakirche Basel (= Schweizerische Kunstführer. Heft 231). Basel 1978.
- Franz Osswald: St. Claras schlichte Eleganz. In: Basler Stadtbuch, 2009, S. 155–159.
- Therese Wollmann, Felix Ackermann: Die Basler Kirche St. Clara. Pfarrkirche der Römisch-Katholischen Kirche Basel, ehemalige Klosterkirche der Clarissen. Basel 2009, ISBN 978-3-033-02189-1.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Helmi Gasser: Clarakirche Basel (= Schweizerische Kunstführer. Heft 231). Basel 1978, S. 14.
- ↑ Franz Osswald: St. Claras schlichte Eleganz. In: Basler Stadtbuch, 2009, S. 155–159, hier S. 155.
- ↑ Nähere Informationen zur Orgel auf der Website des Vereins der Konzertveranstaltenden OrganistInnen Basels (KVOB), abgerufen am 7. Oktober 2019.
- ↑ Orgelverzeichnis Schweiz und Liechtenstein: Orgelprofil Kath. Kirche St. Clara, Basel, Chororgel
- ↑ Agenda | Ausstellung | Pfarrei St. Clara – Kleinbasel | Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt. Abgerufen am 22. Januar 2020.
Koordinaten: 47° 33′ 42″ N, 7° 35′ 39″ O; CH1903: 611706 / 267896