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Schweizerischer Nationalfonds

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Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
(SNF)
Rechtsform privatrechtliche Stiftung
Bestehen seit 1. August 1952
Stifter Schweizerische Eidgenossenschaft
Sitz Bern, Schweiz
Zweck Forschungsförderung
Vorsitz Torsten Schwede (Präsident des Nationalen Forschungsrats)
Stiftungsrat Jürg Stahl (Präsident des Stiftungsrats)
Geschäftsführung Katrin Milzow/Thomas Werder Schläpfer (Co-Direktion)
Website snf.ch

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF, französisch Fonds national suisse de la recherche scientifique, italienisch Fondo nazionale svizzero per la ricerca scientifica, rätoromanisch Fond naziunal svizzer per la perscrutaziun scientifica, englisch Swiss National Science Foundation, SNSF) ist eine Stiftung zur Forschungsförderung im Auftrag des Bundes. Finanziert wird die Stiftung durch Beiträge des Bundes.[1]

Der SNF fördert im Auftrag des Bundes die Forschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen.[2] Dazu unterstützt er Forschungsprojekte, wissenschaftliche Karrieren, thematische Forschungsprogramme sowie die nationale und internationale Vernetzung der Forschung. Der SNF ist die wichtigste öffentliche Förderorganisation für Grundlagenforschung in der Schweiz.[2]

Ein Forschungsrat aus rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist zuständig für die Vergabe der Fördermittel in kompetitiven wissenschaftlichen Evaluationsverfahren.[3]

2025 verfügte der SNF über einen Bundesbeitrag von 1.2 Mia. Franken, den er in 2400 neue Forschungsprojekte investiert hat.[4]

Der SNF ist eine privatrechtliche Stiftung mit einem öffentlich-rechtlichen Förderungsauftrag. Der SNF gliedert sich in Stiftungsrat, Forschungsrat, Delegiertenversammlung und die Geschäftsstelle. Die Geschäftsstelle wird von einer Geschäftsleitung geführt.

Organigramm SNF (Stand 2025)

Als oberstes Organ sorgt der Stiftungsrat für die Wahrung des Stiftungszwecks und fällt Entscheide auf strategischer Ebene.[5] Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Universitäten und (Fach-)Hochschulen sowie der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Den Vorsitz des Stiftungsrats wählt der Bundesrat. Präsidiert wird der Stiftungsrat seit 2020 von Alt-Nationalrat Jürg Stahl.[6]

Präsidentinnen und Präsidenten des Stiftungsrats

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Leitung des SNF (Stand 2026): Katrin Milzow (Co-Direktorin), Torsten Schwede (Präsident des Forschungsrats), Jürg Stahl (Präsident des Stiftungsrats) und Thomas Werder Schläpfer (Co-Direktor).

Der Forschungsrat setzt sich 30 bis 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, die mehrheitlich an schweizerischen Hochschulen tätig sind. Er beurteilt dem SNF unterbreitete Gesuche und entscheidet über die Vergabe der Fördergelder. Unterstützt wird der Forschungsrat von zahlreichen Evaluationsgremien mit rund 1000 Milizmitgliedern. Der Forschungsrat ist auch für die Gestaltung der Förderpolitik zuständig.[3]

Seit 2025 präsidiert Torsten Schwede, Bioinformatiker an der Universität Basel, den Forschungsrat. Der Forschungsrat ist in sechs verschiedene Komitees gegliedert:[3]

  • Komitee für Förderpolitik (Policy-Komitee)
  • Programmkomitee Projekte
  • Programmkomitee Karrieren
  • Programmkomitee Internationale Zusammenarbeit
  • Programmkomitee Langzeitforschung und Infrastrukturen
  • Programmkomitee Thematische und lösungsorientierte Forschung

Präsidentinnen und Präsidenten des Forschungsrats

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Delegiertenversammlung

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Gebäude der Geschäftsstelle in Bern am Wildhainweg 21 (2020)

2024 ist mit der Delegiertenversammlung ein neues Organ dazugekommen: Sie vertritt die Interessen der Forschenden und verschiedener Organisationen aus der Wissenschaft. Sie besteht aus 40 Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen und weiterer Forschungsinstitutionen, der Akademien der Wissenschaften Schweiz und Organisationen des wissenschaftlichen Nachwuchses.[16]

Geschäftsstelle

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Die Geschäftsstelle unterstützt und koordiniert die Tätigkeiten von Stiftungsrat, Forschungsrat und Forschungskommissionen. Sie ist zuständig für alle administrativen Aufgaben sowie für die nationale und internationale Vernetzung und Kommunikation des SNF. Zudem führt sie die Evaluationsverfahren der Fördergesuche durch.[17] Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Bern.[17]

Forschungsförderung

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Der SNF fördert im Auftrag des Bundes die Forschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen.[2] Er begutachtet von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingereichte Forschungsgesuche und unterstützt nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählte Projekte.

Projekt- und Karriereförderung

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Der mit Abstand grösste Beitrag an Fördergeldern fliesst in die Projektförderung. Der SNF unterstützt dafür Forschende mit einer Projektidee bei der Umsetzung des Vorhabens.[18]

Neben der Projektförderung fördert der SNF auch Karrieren mit verschiedenen Fördergefässen, dabei werden Forschende mit einem Salär oder Stipendium bei ihrem Vorhaben unterstützt. Sie ermöglichen es den Forschenden, selbstständig ein Projekt zu planen und, in gewissen Fällen, ein Team von Forschenden in der Schweiz zu leiten.[19]

Postdoc.Mobility

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Das Postdoc.Mobility-Stipendium des SNF ist ein Förderinstrument für Postdoktoranden in der Schweiz. In der akademischen Landschaft wird es als das Schweizer Äquivalent zum europäischen Marie-Curie-Programm (MSCA) angesehen. Die Erlangung dieses Stipendiums ist aufgrund strenger Selektionskriterien mit hohen Hürden verbunden. Neben einer herausragenden akademischen Leistungsbilanz und der Originalität des Forschungsprojekts wird von den Bewerbenden gefordert, dass der geplante Auslandaufenthalt an einer renommierten Institution im Ausland einen entscheidenden Karriereschritt darstellt.[20]

Forschungsprogramme

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Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung über bestimmte Programme: Im Gegensatz zur Projekt- und Karriereförderung werden dafür thematische oder organisatorische Rahmenbedingungen durch den SNF vorgegeben.

Der Bundesrat lanciert die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) und die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) und beauftragt den SNF mit deren Durchführung.

Nationale Forschungsprogramme (NFP)

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Die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) leisten wissenschaftliche Beiträge zur Lösung aktueller Herausforderungen von nationaler Bedeutung. Innerhalb eines Programms werden die Forschungsprojekte im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel koordiniert. Um eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen, haben die Zusammenarbeit und der Austausch mit Akteuren aus der Praxis einen hohen Stellenwert. Die NFP dauern bis zu fünf Jahre und sind mit fünf bis 30 Millionen Franken dotiert. Von 1975 bis 2026 hat der Bund 87 Nationale Forschungsprogramme lanciert.[21]

Thematische Vorschläge für Nationale Forschungsprogramme können von verschiedenen Akteuren eingebracht werden. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sammelt diese Vorschläge, holt Stellungnahmen der Bundesämter ein und unterbreitet darauf basierend dem Bundesrat entsprechende Empfehlungen. Der SNF prüft die Vorschläge im Auftrag des SBFI auf ihre wissenschaftliche und organisatorische Machbarkeit und erarbeitet die Programmkonzepte. Auf dieser Grundlage entscheidet der Bundesrat über die Lancierung der Programme.[21]

Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS)

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Mit den Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) wird die Stellung des Forschungsplatzes Schweiz in für die Zukunft von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wichtigen Bereichen erhalten und nachhaltig gestärkt. Dies erfolgt durch die Förderung exzellenter Forschung sowie den Aufbau zusätzlicher Lehr- und Forschungskapazitäten. Die NFS sind an einer oder mehreren Hochschulen verankert und bestehen aus einem Kompetenzzentrum sowie einem nationalen und internationalen Netzwerk. Ein Nationaler Forschungsschwerpunkt wird während zehn bis zwölf Jahren mit 20 bis 60 Millionen Franken durch den SNF sowie durch Eigenmittel der Hochschulen und Drittmittel unterstützt.[22]

Weitere Förderinstrumente

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Ferner gibt es auch Förderung im Bereich der Wissenschaftskommunikation wie das Agora-Förderprogramm und ergänzende Massnahmen, mit welchen der SNF z. B. die Förderung von Wissenschaftlerinnen oder die Vereinbarkeit von Familie und Forschungstätigkeit unterstützt.

Ergänzend engagiert sich der SNF in der internationalen Zusammenarbeit mit Organisationen und Forschungsprogrammen und finanziert wissenschaftliche Tagungen.

Der SNF finanziert die Veröffentlichung von Publikationen (hauptsächlich Dissertationen und Habilitationsschriften).

Seit 2023 schreibt der SNF für alle von ihm geförderten wissenschaftlichen Artikel vor, dass diese umgehend zugänglich werden müssen (open access) und eine freie Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung verwenden müssen. Begründet wird dies so: «wissenschaftliche Artikel werden in erster Linie digital verbreitet und gelesen. Die Forschenden wie auch der SNF haben ein Interesse daran, dass das Wissen so breit wie möglich gestreut und so vielfältig wie möglich genutzt wird.»[23]

Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion

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Der SNF unternimmt verschiedene Massnahmen zur Förderung von Frauen und anderer in der Forschung untervertretener Gruppen.[24] 2024 verabschiedete er dafür die «Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion» (GVI-Vision). Darin macht es sich der SNF zur Aufgabe, den Themen Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion in allen Fördergefässen Rechnung zu tragen. Dies geschieht einerseits durch eine speziellen Berücksichtigung dieser Themen bei den Auswahlverfahren: andererseits bietet er Förderinstrumente und ergänzende Massnahmen an, welche die Karrieren von untervertretenen Gruppen in der Forschung gezielt unterstützen.[25]

Schon vor der Verabschiedung der GVI-Vision gab es verschiedene Instrumente und Programme zur Förderung von Frauen und Gleichstellung. Dazu gehören z. B. die seit 1991 vergebenen Marie Heim-Vögtlin-Beiträge, ein Programm zur Förderung von Frauen in der Forschung. Sie wurde 2017 durch das Programm PRIMA (Promote Women in Academia) ersetzt, das wiederum 2021 in andere Karriereprogramme überführt wurde; das Budget wird weiterhin ausschliesslich für Frauen eingesetzt.[26][27]

Darüber hinaus verantwortete der SNF von 2020 bis zu ihrer Auflösung 2025 die Datenbank AcademiaNet für exzellente Wissenschaftlerinnen mit der Zielsetzung, den Frauenanteil in wissenschaftlichen Führungspositionen zu erhöhen.[28]

Wissenschaftspreise und Bilderwettbewerb

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Der SNF vergibt vier Wissenschaftspreise bzw. ist an ihrer Vergabe beteiligt: Mit dem Marie Heim-Vögtlin-Preis werden Nachwuchsforscherinnen für herausragende Leistungen gewürdigt. Der Preis Optimus Agora zeichnet innovative Projekte der Wissenschaftskommunikation aus. Zudem wählt der SNF im Auftrag der Marcel Benoist Stiftung die Preisträgerinnen und Preisträger für den Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist aus. Den Latsis-Preis verleiht der SNF im Auftrag der Latsis Foundation jährlich an junge Forschende unter 40.[29]

Neben den Wissenschaftspreisen schreibt der SNF auch einmal jährlich einen Bilderwettbewerb aus. Prämiert werden Bilder, welche die Arbeit von Forscherinnen und Forschern auf ästhetische und treffende Art und Weise sichtbar machen.[30]

Forschungsmagazin Horizonte

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Das Magazin Horizonte wird seit 1988 vom Schweizerischen Nationalfonds und den Akademien der Wissenschaften Schweiz herausgegeben. Die unabhängige Redaktion berichtet viermal jährlich über die neusten Ergebnisse und Erkenntnisse aus allen Disziplinen der Wissenschaft: von der Biologie und Medizin über sozial- und kulturwissenschaftliche Themen bis zu Mathematik und Naturwissenschaften. Zudem werden forschungspolitische Fragen von internationaler Bedeutung erörtert. Horizonte richtet sich an ein breites, an wissenschaftlichen Fragen interessiertes Publikum und ist kostenlos im Abonnement erhältlich sowie als digitale Version frei zugänglich.[31]

Entstehung des Schweizerischen Nationalfonds (1930–1952)

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Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz, abgesehen von der ETH Zürich und einigen Fachgesellschaften, keine nationale Institution für die wissenschaftliche Forschung. Erst in den 1930er-Jahren bemühte sich der Bund, bei der Organisation der wissenschaftlichen Forschung eine grössere Rolle zu spielen. Dabei investierte er über das Arbeitsbeschaffungsprogramm Steuergeld in die Forschung. Otto Zipfel, Delegierter des Bundesrats für Arbeitsbeschaffung, unternahm 1941 den ersten Versuch, einen nationalen Förderungsfonds für naturwissenschaftliche und technische Forschung zu gründen, scheiterte aber an den föderalistischen Strukturen.[32]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiederaufnahme des Austauschs mit der internationalen Forschungsgemeinschaft entstand bei vielen Schweizer Forschenden und Industriellen der Eindruck, dass die kriegsführenden Nachbarländer in ihrer wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung weit voraus waren. Um diesen Rückstand aufzuholen und Europa beim Wiederaufbau zu unterstützen, wurde zunehmend die Forderung nach einer nationalen Organisation und Finanzierung der Wissenschaft laut.[15]

Besonders engagiert für die nationale Förderung von Forschung in der Schweiz war der Mediziner und Physiker Alexander von Muralt, Physiologie-Professor an der Universität Bern. 1948 bildete von Muralt eine Kommission, in die er neben Vertretern der Schweizer Universitäten auch die Dachorganisationen Schweizerische Geisteswissenschaftliche Gesellschaft (heute SAGW), Akademie der Medizinischen Wissenschaften und die Naturforschende Gesellschaft (heute SCNAT), deren Präsident er selbst war, einlud. 1951 reichte die Kommission beim Bundesrat ein Memorandum ein, in dem sie die Gründung eines «Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung» vorschlug. Ihr Entwurf forderte die Schaffung zweier Organe, eines Nationalen Forschungsrats und eines Stiftungsrats, und eine Finanzierung durch den Bund mit 4 Millionen Franken pro Jahr.[32]

Die daraufhin vom Bundesrat formulierte Botschaft wurde im März 1952 vom Parlament oppositionslos genehmigt. Am 1. August 1952 wurde der SNF in Anwesenheit zweier Bundesräte gegründet. Alexander von Muralt übernahm als Erster das Amt als Präsident des Forschungsrats.[33]

Neue Strukturen, neue Aufgaben (1960–1975)

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In den 1960er-Jahren wurde die Wissenschaft und Forschungslandschaft in der Schweiz zunehmend institutionalisiert und neu strukturiert. So wurde auch der Nationale Forschungsrat des SNF, der für die Vergabe der Fördergelder zuständig ist, in drei Abteilungen eingeteilt: eine Abteilung I für die Geisteswissenschaften, eine Abteilung II für exakte und Naturwissenschaften und eine Abteilung III für Medizin und Biologie.[10]

Als Reaktion auf die Krisen der frühen 1970er-Jahre (Ölpreisschock und Wirtschaftskrise) beauftragte der Bundesrat den SNF mit der Durchführung von Nationalen Forschungsprogrammen (NFP). Sie sollten wissenschaftlich fundierte Lösungsbeiträge zu aktuellen Fragen von gesellschaftlicher Bedeutung liefern. So entstand 1974 die vierte Abteilung des Forschungsrats.[10]

Internationalisierung und Öffnung der Forschungsförderung (1994–2023)

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1995 eröffnete der SNF gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation und Innosuisse das Swiss Contact Office for Research and Higher Education (SwissCore) in Brüssel, mit dem Ziel, die Schweizer Forschungslandschaft mit der europäischen zu vernetzen.[15]

1996 wurde mit der Medizinerin Heidi Diggelmann zum ersten Mal eine Frau als Präsidentin des Forschungsrats gewählt.[10]

2001 wurden Nationale Forschungsschwerpunkte als neues Förderinstrument eingeführt. Sie sollten die Strukturierung der schweizerischen Forschungslandschaft vorantreiben und den nationalen Austausch unter Forschenden sowie die Gleichstellungs- und Nachwuchsförderung stärken.[15][34]

Während des Drittstaatenstatus der Schweiz bei Horizon Europe (2021–2024) setzte der SNF im Auftrag des Bundes verschiedene Übergangsmassnahmen um. Diese sollten Forschenden in der Schweiz weiterhin Fördermöglichkeiten bieten und die internationale Forschungszusammenarbeit unterstützen.[15]

Die Übergangsmassnahmen entsprachen so weit wie möglich den europäischen Ausschreibungen, konnten sie jedoch nicht ersetzen. Seit dem 1. Januar 2025 ist die Schweiz an Horizon Europe – und ebenfalls am Euratom-Programm und am Programm Digital Europe – vollständig assoziiert. Der SNF hat die Übergangsmassnahmen Ende 2024 nach der Vollassoziierung beendet.[35]

Am 16. Juni 2023 genehmigte der Bundesrat die vom Stiftungsrat revidierten Statuten des Schweizerischen Nationalfonds. Die Totalrevision sah insbesondere eine neue Struktur der Organe des SNF vor. Mit der Reorganisation reagierte der SNF auf geänderte Bedingungen in der Forschungs- und Hochschullandschaft und neue Ansprüche an die Förderpolitik, insbesondere auch auf die stark steigende Anzahl von Fördergesuchen.[36]

Im Zentrum der Reorganisation stand die neue Organstruktur des SNF: Dafür wurde der Forschungsrat mit mehr Kompetenz bei der Bestimmung von Förderpolitik und -angeboten ausgestattet. Der Stiftungsrat wurde im Zuge der Revision von 42 Mitgliedern auf nunmehr sieben bis elf Mitglieder verkleinert. Ein neues Organ – die Delegiertenversammlung – dient der Interessenvertretung der Hochschulen sowie der Beitragsempfängerinnen und -empfänger. Die neuen Statuten traten per 1. Januar 2024 in Kraft.[37]

Anfang 2025 hat der Bundesrat bekanntgegeben, dass er im Rahmen des Entlastungspaket 27 die Mittel des SNF im Jahr 2027 um zehn Prozent und im Jahr 2028 um elf Prozent kürzen will.[38] Der SNF und andere Organisationen aus dem Forschungs- und Wissenschaftsbetrieb kritisierten diese Sparmassnahmen in einer Medienmitteilung.[39]

Im September 2025 hat der SNF mitgeteilt, dass er als Reaktion auf die geplanten Kürzungen bereits 2026 verschiedene Sparmassnahmen einführen wird, darunter die Einstellung und Pausierung gewisser Förderinstrumente sowie eine Reduktion bewilligter Fördergesuche.[40] Im März 2026 hat das Schweizer Parlament beschlossen, nur fünf anstelle der elf Prozent beim Budget des SNF einzusparen.[41]

2022 attestierte der Schweizerische Wissenschaftsrat (SWR) in einer Evaluation, der SNF habe «massgeblich zur internationalen Spitzenstellung und zum ausgezeichneten Ruf der Schweizer Forschung beigetragen.»[42] Hingegen laufe «der SNF Gefahr, sich zu sehr zu verzetteln und seine Kernaufgaben aus dem Blick zu verlieren, was er in seinem Selbstevaluationsbericht selbst einräumt. Deshalb empfiehlt der SWR dem SNF davon abzusehen, seinen Verantwortungs- und Aufgabenbereich weiter auszubauen und seine systemprägende Wirkung zu verstärken.»

2023 kritisierte Sacha Zala, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte, die Art und Weise, wie der SNF seine Gelder verteilt: «Die Norm, welche den Standard kreiert, was gute Forschung ist, wird nicht von den Geisteswissenschaften definiert, sondern von Naturwissenschaften.» Sein Wunsch wäre eine situationsgerechte Anpassung für die unterschiedlichen Disziplinen. Beispielsweise sollten in den Geisteswissenschaften mehr Langzeitprojekte unterstützt werden. Angelika Kalt, die Direktorin des SNF, wies die Kritik insgesamt zurück. Bei einem Punkt signalisiert sie ein Entgegenkommen: «Der systematische Einbezug der betroffenen Kreise kann verbessert werden. Das ist auch geplant.»[43][44]

  • Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung: Porträt. Wir fördern wissenschaftliche Forschung. Bern 2005.
  • Antoine Fleury und Frédéric Joyce: Die Anfänge der Forschungspolitik in der Schweiz : Gründungsgeschichte des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, 1934–1952. hier + jetzt, Baden 2002
  • Schweizerischer Nationalfonds: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung : ein Kurzporträt. Bern 1995.
  • Schweizerischer Nationalfonds: 50 Jahre Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung: 1952–2002. Bern 2002.
Commons: Schweizerischer Nationalfonds – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Porträt. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 1. Mai 2023.
  2. 1 2 3 Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. In: admin.ch. Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, abgerufen am 27. März 2026 (deutsch).
  3. 1 2 3 Forschungsrat & Evaluationsgremien. Abgerufen am 27. März 2026.
  4. ↑ Jahresrechnung 2025. In: SNF. Schweizerischer Nationalfonds SNF, 14. April 2026, abgerufen am 1. Mai 2026 (deutsch).
  5. ↑ Stiftungsrat. Schweizerischer Nationalfonds (SNF), abgerufen am 27. März 2026.
  6. 1 2 Stiftungsrat und Ausschuss des Stiftungsrats. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 3. Mai 2023.
  7. ↑ Jahresbericht 2020. Schweizerischer Nationalsfonds SNF, abgerufen am 17. Juli 2026.
  8. ↑ SNF: Wechsel im Stiftungsrat des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 30. Januar 2012, abgerufen am 17. Juli 2026.
  9. ↑ Martin Vetterli wird neuer Forschungsratspräsident des SNF. Abgerufen am 17. Juli 2026.
  10. 1 2 3 50 Jahre SNF. Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. In: Festschrift. Schweizerischer Nationalfonds, 2002, abgerufen am 1. Mai 2023.
    1. 1 2 3 4 5 S. 84
  11. ↑ Torsten Schwede ab 2025 neuer Präsident des SNF-Forschungsrats. In: Schweizerischer Nationalfonds SNF. Schweizerischer Nationalfonds SNF, 8. Dezember 2023, abgerufen am 17. Juli 2026.
  12. ↑ Matthias Egger zum neuen Präsidenten des Nationalen Forschungsrats des SNF gewählt. In: snf.ch. SNF, 23. September 2016, abgerufen am 23. September 2016.
  13. ↑ Martin Vetterli beendet sein Präsidentenamt beim SNF. In: snf.ch. 24. Februar 2016, archiviert vom Original am 11. April 2016; abgerufen am 20. Oktober 2024.
  14. ↑ Dieter Imboden übergibt Präsidium an Martin Vetterli Wechsel an der Spitze des Nationalen Forschungsrats des SNF. In: Presseportal. na-news aktuell, 12. Dezember 2012, abgerufen am 17. Juli 2026 (deutsch).
  15. 1 2 3 4 5 Geschichte. Schweizerischer Nationalfornds, abgerufen am 1. Mai 2023.
  16. ↑ Delegiertenversammlung. Abgerufen am 27. März 2026.
  17. 1 2 Geschäftsstelle. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 3. Mai 2023.
  18. ↑ Projektförderung. Schweizerischer Nationalfonds SNF, abgerufen am 27. März 2026.
  19. ↑ Karrieren. Schweizerischer Nationalfonds SNF, abgerufen am 27. März 2026.
  20. ↑ Reglement über die Gewährung von Mobilitätsstipendien für Postdocs ("Postdoc.Mobility-Stipendien"). Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 17. August 2026.
  21. 1 2 Nationale Forschungsprogramme (NFP). Abgerufen am 27. März 2026.
  22. ↑ Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS). Abgerufen am 27. März 2026.
  23. ↑ Freier Zugang umgehend und uneingeschränkt – das ändert ab dem 1. Januar 2023. In: snf.ch. 21. Dezember 2022, abgerufen am 3. Mai 2023.
  24. ↑ SNSF will run AcademiaNet. In: AcademiaNet. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  25. ↑ Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion in der Forschungsförderung. Abgerufen am 27. März 2026.
  26. ↑ 20 Jahre Marie Heim-VögtlinProgramm. (PDF) In: snf.ch. Abgerufen am 19. Oktober 2024.
  27. ↑ Der SNF baut seine Förderprogramme um. In: barfi.ch. 4. August 2016, abgerufen am 19. Oktober 2024.
  28. ↑ AcademiaNet schliesst im September 2025 – Überführung ins Bosch Alumni Network. Schweizerischer Nationalfonds (SNF), abgerufen am 31. März 2026.
  29. ↑ Wissenschaftspreise. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 3. Mai 2023.
  30. ↑ SNF-Wettbewerb für wissenschaftliche Bilder. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 3. Mai 2023.
  31. ↑ Horizonte, das Schweizer Forschungsmagazin. Schweizerischer Nationalfonds, abgerufen am 3. Mai 2023.
  32. 1 2 Monika Gisler, Samuel Amstutz: Der Nationalfonds, die SAGW und die Anfänge der Schweizer Forschungspolitik. In: Bulletin SAGW. Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW), 2021, S. 8f., abgerufen am 1. Mai 2022.
  33. ↑ Franziska Hupfer, Bernhard C. Schär: Vernetztes Wissen, vernetzte Schweiz. Ein Streifzug durch 200 Jahre SCNAT. In: Vernetztes Wissen, vernetzte Schweiz. Ein Streifzug durch 200 Jahre SCNAT. Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, Juni 2015, S. 9, abgerufen am 1. Mai 2023.
  34. ↑ Schweizerischer Bundesrat: Botschaft über eine neue Bundesverfassung. In: Bundesblatt. Band 1999, Nr. I, 20. November 1996, S. 355 f. (admin.ch [abgerufen am 24. Juli 2026]).
  35. ↑ Horizon Europe für Schweizer Forschende wieder offen. Schweizerischer Nationalfonds SNF, abgerufen am 2. April 2026.
  36. ↑ Neue und zukunftsorientierte Organisationstruktur für den SNF. Schweizerischer Nationalfonds SNF, abgerufen am 27. März 2026.
  37. ↑ Bundesrat genehmigt die revidierten Statuten des Schweizerischen Nationalfonds. In: admin.ch. 16. Juni 2023, abgerufen am 19. Juni 2023.
  38. ↑ Entlastungspaket für den Bundeshaushalt: Folgen für den SNF und die Schweiz. Schweizerischer Nationalfonds, archiviert vom Original am 26. März 2025; abgerufen am 27. März 2026.
  39. ↑ Wohlstand und Sicherheit in der Schweiz dank Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation. Netzwerk Future, 11. Februar 2025, abgerufen am 27. März 2026 (deutsch).
  40. ↑ Sparmassnahmen Bund: Förderung angepasst. Abgerufen am 27. März 2026.
  41. ↑ Das Sparprogramm des Bundes wurde bereits um 40 Prozent reduziert – die grosse Übersicht. Watson, 5. März 2026, abgerufen am 31. März 2026.
  42. ↑ Schweizerischer Wissenschaftsrat SWR: Evaluation des Schweizerischen Nationalfonds, Genehmigt durch den SWR am 4. Oktober 2022, S. 10 (PDF)
  43. ↑ Schweizer Wissenschaften - Sprachrohr der Geisteswissenschaften kritisiert den Nationalfonds. In: srf.ch. 23. April 2023, abgerufen am 23. April 2023.
  44. ↑ "Kein Geld mehr für freie Forscher", NZZ am Sonntag, 26. März 2023