Zum Inhalt springen

PricewaterhouseCoopers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1924
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland Deutschland
Leitung Marc Billeb[1]
Mitarbeiterzahl > 15.000[2]
Umsatz 3,27 Mrd. Euro[2]
Branche Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung
Website pwc.de
Stand: 30. Juni 2025

PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main. Es beschäftigt über 15.000 Mitarbeiter (Juni 2024); der Jahresumsatz betrug im Geschäftsjahr 2024/2025 3,27 Milliarden Euro.[2] Kerndienstleistungen sind die Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen, die Steuerberatung sowie die klassische Unternehmens- bzw. Managementberatung, Transaktionsberatung und Corporate Finance. Die Firmenzentrale befindet sich in Frankfurt im Tower 185, einem Wolkenkratzer im Stadtteil Gallus. Die Gesellschaft gehört zum Verbund von PricewaterhouseCoopers International.

PwC entstand durch eine Zusammenlegung der Geschäftsbetriebe der zwischenzeitlich zur PwC AG verschmolzenen C & L Deutsche Revision Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie der Price Waterhouse GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, beide mit Sitz in Frankfurt am Main.[3]

Im Jahr 1849 gründete Samuel Lowell Price eine Prüfungsgesellschaft in London. Fünf Jahre später, im Jahr 1854, gründete auch William Cooper eine Prüfungsgesellschaft in Englands Hauptstadt. Beide wurden im Jahr 1865 zusammengeschlossen. Im Jahr 1924 eröffnete ein Büro in Deutschland.

Im gleichen Jahr entstand die C & L Deutsche Revision Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durch eine Verschmelzung der 1905 gegründeten Treuhand-Vereinigung Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main sowie der 1922 gegründeten Treuarbeit Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin und Frankfurt am Main.

Zum Beginn des Dritten Reichs war die Treuarbeit der zweitgrößte Wirtschaftsprüfer im Deutschen Reich und wurde in den nächsten zwölf Jahren zum größten Unternehmen dieser Art im besetzten Europa. So hatte die Treuarbeit quasi ein Monopol für Rüstungsprüfungen für die Luftwaffe. Außerdem führte sie in den besetzten Ländern für die deutschen Zivil- und Militärbehörden Wirtschaftsprüfungen durch.[4] In ihrer Dissertation kommt Ute Pothman zu dem Schluss, dass „die Treuarbeit ethische Grundsätze ihres Berufes, nämlich Unparteilichkeit, Verschwiegenheit und Gewissenhaftigkeit, gegenüber jüdischen Unternehmen und Unternehmen im besetzten Ausland nicht angewandt hat“. Dies begründet laut ihr eine Mittäterschaft des Unternehmens an den Verbrechen des Nationalsozialismus.[5]

1995 traten die Treuhand-Vereinigung AG und die Treuarbeit AG unter dem Namen C & L Deutsche Revision gemeinsam am Markt auf. 1998 führten die C & L Deutsche Revision sowie die Price Waterhouse GmbH ihren Geschäftsbetrieb unter PwC Deutsche Revision Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft fort. Im Jahr 2005 fand eine Umfirmierung in PricewaterhouseCoopers AG WPG statt.

Seit 2012 ist diese Teil der Holding PwC Europe, zu der heute auch Österreich, die Niederlande, Belgien, die Türkei sowie die Schweiz gehören.[6][7] 2014 erfolgte die Übernahme der Booz & Company GmbH (heute PwC Strategy&) mit Sitz in Düsseldorf.[8] 2016 gab es einen Rechtsformwechsel zu PricewaterhouseCoopers GmbH WPG.

Das Unternehmen hat 20 Standorte.[9] Neben Frankfurt unterhält PwC in Düsseldorf die zweitgrößte deutsche Niederlassung. Im Jahr 2015 verlagerte PwC aus Kostengründen 600 Mitarbeiter der Frankfurter Verwaltung nach Düsseldorf, an dem 2015 etwa 1.800 Mitarbeiter für PwC tätig waren. Dort soll eine gesamteuropäische Verwaltungseinheit aufgebaut werden.[10] Durch den Personalaufbau in Düsseldorf und die Tochtergesellschaft PwC Strategy& (Germany) GmbH waren im Jahr 2019 bereits zwischen 2.500 und 2.900 Mitarbeiter für PwC am Standort Düsseldorf tätig.[11][12]

Konzernstruktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • PwC Europe SE Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
  • PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
    • WIBERA Wirtschaftsberatung Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (100 %)
    • PricewaterhouseCoopers Corporate Finance Beratung GmbH (100 %)
    • PricewaterhouseCoopers PRTM Management Consultants GmbH
    • PwC FS Tax GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
    • PricewaterhouseCoopers cundus Aktiengesellschaft
    • PricewaterhouseCoopers Legal AG Rechtsanwaltsgesellschaft
    • PwC Cyber Security Services GmbH
    • PwC Certification Services GmbH
    • PwC Solutions GmbH

Geschäftsbereiche

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgabenfelder von PwC unterteilen sich in folgende Bereiche: Audit & Assurance, Tax & Legal, Consulting und Advisory Deals.

Der Bereich Assurance, also der Bereich, unter dem das „klassische“ Wirtschaftsprüfungsgeschäft zusammengefasst ist, macht dabei mit einem Geschäftsanteil von 46 Prozent einen umsatzstarken Bereich von PwC in Deutschland aus.

Geschäftsfelder

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsfelder des Unternehmens umfassen „Transaktionen, Finanzierung und Investition“, „Sanierung, Restrukturierung und Forensic Services“, „Strategie, Organisation, Prozesse und Systeme“, „Rechnungslegung, Berichterstattung und Prüfung“, „Steuern und wirtschaftsrechtliche Beratung“, „Branchenregulierung“, „Wissenstransfer“ und „Rechtsberatung“.

Auch im Staatssektor hat PwC durch Regierungsaufträge eine einflussreiche Rolle, so werden etwa alle Bürgschaftsanträge an den Wirtschaftsfonds Deutschland von PwC geprüft.[13]

Zudem tritt PwC seit einigen Jahren als Hersteller für Business-Software in Erscheinung, die im PwC Digital Store vermarktet wird.[14] So gehören etwa die Digital Fitness App oder der Data Protection Manager zum Software-Portfolio des Beratungsunternehmens.[15]

Transparenzpreis

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2005 bis 2012 unterstützte PwC den Transparenzpreis, der an deutsche Spendenorganisationen mit DZI-Spenden-Siegel vergeben wurde. Die Verleihung des Preises beruhte vor allem auf der Analyse des Jahresberichtes der teilnehmenden Organisationen. Mit geringerer Gewichtung flossen auch andere Publikationen in die Wertung ein. Die Informationen wurden anhand eines Kriterienkataloges ausgewertet.[16] Ausgezeichnet wurde Transparenz hinsichtlich Spendenverwendung, Zielen, Aktivitäten und Finanzlage. Mit dem Preis wollte PwC nach eigener Aussage zur „Verbesserung der Informationspolitik“ von Non-Profit-Organisationen beitragen.[17]

PWC: Qualitätsprobleme und Skandale

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwandfreies Bilanzgutachten trotz Buchungsfehlers von 55,5 Mrd. €

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2011 berichtete das Magazin Stern, dass es bei der in Bundesbesitz befindlichen Bad Bank FMS Wertmanagement, die von der Hypo Real Estate (HRE) ausgegliedert wurde, in der Bilanz zum Rumpfgeschäftsjahr 2010 zu einem Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro gekommen sei.[18] Zudem wies die Bilanz das Zinsergebnis zu hoch aus. Die Wirtschaftsprüfer von PwC hatten der FMS-Wertmanagement eine einwandfreie Bilanz attestiert. Nach gemeinsamer Klärung der Faktenlage stellte das Bundesfinanzministerium ein Kommunikationsproblem zwischen den beteiligten Banken fest. Zumindest erklärte Finanzminister Schäuble das so gegenüber der Öffentlichkeit. Die Wirtschaftsprüfergesellschaft PwC habe bei der Aufklärung geholfen, Antworten auf offene Fragen zu finden, heißt es bei Schäuble.[19]

Die Deutsche Bundesbank stellte im November 2011 in einer unter Verschluss gehaltenen Untersuchung allerdings eine Mitschuld von PwC am Bilanzfehler bei der FMS-Wertmanagement fest. Die Wirtschaftsprüfer „hätten nicht gründlich genug geprüft“, heißt es. PwC hätte den Fehler erkennen können. Das habe PwC nach Medienberichten auch eingeräumt.[20]

Wegen der unentdeckten Bilanzpanne für das Jahr 2010 leitete die Berufsaufsicht der Wirtschaftsprüfer, die Wirtschaftsprüferkammer, laut eigener Pressemitteilung vom 31. Oktober 2011 ein berufsrechtliches Verfahren gegen den verantwortlichen Wirtschaftsprüfer bei PwC ein.[21] Wie der Radiosender NDR Info am 27. Februar 2013 berichtete, schloss die Wirtschaftsprüferkammer dieses Verfahren im Juni 2012 ab, ohne ihr Urteil zu veröffentlichen.[22]

Sachsen LB und deren Notverkauf

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mehreren dramatischen Sitzungen wurde im August 2007 die Sachsen LB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) „notverkauft“, nachdem sich ein Risiko in Höhe 17,3 Mrd. Euro im irischen Subprime-Geschäft gezeigt hatten und Forderungen daraus kurzfristig fällig gestellt wurden. Wirtschaftsprüfer der SachsenLB war die PwC, die insbesondere den Jahresabschlüssen 2004 bis 2006 das uneingeschränkte Testat erteilt hatte. Diese wurden später vom Landgericht Stuttgart für nichtig erklärt. Der Prüfer dieser Jahresabschlüsse, das Unternehmen PwC, mied einen öffentlichen Prozess und überwies dem Freistaat Sachsen 2011 einen Betrag von 40 Mio. Euro.[23]

Cross Border Leasing (CBL)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PwC hat als Berater in Deutschland Cross-Border-Leasing-Geschäfte zwischen deutschen Kommunen und US-amerikanischen Investoren vermittelt und begleitet.[24][25]

Umgehung der EEG-Umlage

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PwC hat Unternehmen dabei beraten, die EEG-Umlage zu umgehen.[26]

Verdacht auf Steuerhinterziehung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. November 2021 wurden mehrere Unternehmensgebäude und Wohnungen von PwC-Mitarbeitern des Geschäftsbereichs Steuerberatung von insgesamt 250 Polizisten und Staatsanwälten durchsucht. Es besteht der Verdacht auf schwere Steuerhinterziehung. Es wird den aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern vorgeworfen, in Deutschland erbrachte Beratungsleistungen zwischen den Jahren 2012 und 2017 über eine PwC-Gesellschaft in der Schweiz abgerechnet zu haben. Der Schaden der Steuerhinterziehung soll sich auf 11 Millionen Euro belaufen.[27][28]

Anfang Februar 2022 fand erneut eine Razzia statt, da der Finanzdienstleister SEB, ein Kunde von PwC, verdächtigt wird, in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt gewesen zu sein.[29]

Galerie ausgewählter Standorte in Deutschland

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Commons: PricewaterhouseCoopers – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ .
  2. 1 2 3 PricewaterhouseCoopers: Geschäftszahlen und Berichte. Abgerufen am 29. Juli 2026 (deutsch).
  3. ↑ Wirtschaftsprüfer mit neuem Branchenprimus. In: welt.de. 2. Juli 1998, abgerufen am 22. Dezember 2023.
  4. ↑ Ute Pothman: Die Deutsche Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) - 1933-1945. Klartext, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0985-4, S. 8 f.
  5. ↑ Ute Pothman: Die Deutsche Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) - 1933-1945. Klartext, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0985-4, S. 279.
  6. ↑ Wir über uns – Unternehmensinformationen – Geschichte: Langjährige Erfahrung. (Memento vom 5. November 2011 im Internet Archive) In: pwc.de, Website von PwC, abgerufen am 22. Dezember 2023.
  7. ↑ PricewaterhouseCoopers: PwC Europe. Abgerufen am 6. November 2019 (niederländisch).
  8. ↑ PwC Strategy& (Germany) GmbH Jahresabschluss 2015. In: Bundesministerium der Justiz (Hrsg.): Bundesanzeiger.
  9. ↑ pwc.de: Standorte, abgerufen am 17. Februar 2024
  10. ↑ Panagiotis Koutoumanos: Frankfurt verliert 600 PwC-Jobs. In: fnp.de. Frankfurter Neue Presse, 18. Dezember 2018, abgerufen am 22. Dezember 2023.
  11. ↑ Florian Rinke: Diese Frau hat das Unmögliche geschafft – Karriere trotz Teilzeit. In: rp-online.de. Rheinische Post, abgerufen am 27. Dezember 2019.
  12. ↑ PricewaterhouseCoopers: Standort Düsseldorf. In: pwc.de. Abgerufen am 27. Dezember 2019.
  13. ↑ tagesschau: PwC prüft, der Staat bürgt (Memento vom 11. Juli 2009 im Internet Archive), 8. Juli 2009
  14. ↑ Digital Store – PwC Deutschland. Abgerufen am 8. Mai 2020.
  15. ↑ Website PwC, Softwarelösungen auf dem Digital Store. In: store.pwc.de. PWC, archiviert vom Original am 18. Mai 2021; abgerufen am 22. Dezember 2023.
  16. ↑ Website PwC, Wir über uns / Engagement / Transparenzpreis (PDF; 197 kB).
  17. ↑ Website PwC, Wir über uns / Engagement / Transparenzpreis
  18. ↑ Wirtschaftsprüfer weisen Schuld zurück. In: faz.net. 31. Oktober 2011, abgerufen am 24. Mai 2016.
  19. ↑ Andreas Mihm: Schäuble nennt HRE-Buchungspanne aufgeklärt. In: faz.net. 2. November 2011, abgerufen am 24. Mai 2016.
  20. ↑ Hans-Martin Tillack: 55-Milliarden-Fehler bei der HRE: Waren die Wirtschaftsprüfer schuld? In: stern.de. 23. November 2011, abgerufen am 24. Mai 2016.
  21. ↑ Presseberichte über Buchungsfehler bei FMS Wertmanagement. In: wpk.de. 31. Oktober 2011, archiviert vom Original am 29. Januar 2012; abgerufen am 24. Mai 2016.
  22. ↑ 55-Milliarden-Bilanzfehler bei HRE-Bad Bank: Wirtschaftsprüfer halten Untersuchungsbericht zurück. In: presseportal.de. 27. Februar 2013, abgerufen am 24. Mai 2016.
  23. ↑ Ulrich Wolf: Dramatische Tage im August und Was wurde aus den Beteiligten. In: Sächsische Zeitung. 26./27. August 2017, S. 3. Dokumentation des Ablaufes des Verkaufs der SachsenLB im August 2007 sowie die Nachwirkungen. 1. Teil auch (online). Abgerufen am 12. August 2020.
  24. ↑ zeit.de: Cross-Border-Leasing: Für dumm verkauft
  25. ↑ spiegel.de: Der große Ausverkauf
  26. ↑ Frank Dohmen: Bayer, Evonik und Daimler: Die Milliarden-Abzocke beim Strom (S+). In: Der Spiegel. 29. Oktober 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. November 2021]).
  27. ↑ Mark Fehr: PwC unter Druck: Razzia für Beratungsriesen doppelt heikel. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  28. ↑ Jan Diesteldorf, Meike Schreiber: PwC unter Verdacht: Razzia wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung. Abgerufen am 4. Dezember 2021.
  29. ↑ Razzia bei Wirtschaftsprüfer PwC. In: Tagesschau.de. Abgerufen am 22. Dezember 2023.