Kunstwerk

Ein Kunstwerk (auch Kunstgegenstand, Kunstobjekt, Arbeit, Kunst, Werk, Einzelwerk) (althochdeutsch Kunst: Wissen, Weisheit, Kenntnis, Fertigkeit, Wissenschaft; mittelhochdeutsch werc(h): Werk, Arbeit, Werkzeug, zu bearbeitender Rohstoff) ist das Erzeugnis künstlerischen Schaffens.[1] Es ist eine persönliche geistige Schöpfung, die Menschen mit bildnerischen Mitteln der Kunst und mit Werkzeugen durch eine formgebende Tätigkeit hervorgebracht haben.[2]
Unterschiedliche Definitionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff des Kunstwerks wurde im Laufe seiner Geschichte verschieden definiert. Von der Antike bis heute gab und gibt es verschiedene Kunsttheorien, deren Definitionen sich in der Gewichtung einzelner Aspekte unterscheiden.[3] In der modernen Kunst beispielsweise ist die Bestimmung von Grenzen offen, da Naturgegenstände (objets trouvés), fertig vorgefundene Zweckprodukte (Ready-mades) oder Abfälle (Upcycling-Kunst) als Kunstwerke „designiert“ werden.[4] Die Grenzen zwischen Hoch- und Trivialkunst oder Nicht-Kunst, zwischen Kunst und Wissenschaft lösen sich auf. Die Vermischung von Medien und Gattungen machen es zunehmend unmöglich, den Begriff eindeutig festzulegen.[5]


Einige Kunstkritiker ordnen nicht jedem künstlerischen Erzeugnis den Status des „Werks“ zu. Ein Beispiel dafür ist Theodor W. Adornos Begriff des autonomen Kunstwerks, der nur einen sehr begrenzten Teil ausschließlich der abendländischen Kunst erfasst. Andere Definitionen bemühen sich darum, ein möglichst breites Spektrum der Kunst zu erfassen. Ein Beispiel hierfür ist der Begriff des Kunstwerks, den Walter Benjamin in seiner Schrift Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit anwendet und der danach strebt, auch neuen Kunstformen den Status des „Werks“ zuzuerkennen.
Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Abgrenzung vom Kunstwerk gibt es auch den Ausdruck Kunstgegenstand, der Objekte bezeichnet, die neben ihrer künstlerischen Anmutung auch noch einen anderen Zweck erfüllen, wie sie Kunstgewerbe (Angewandte Kunst) oder Kunsthandwerk, aber auch z. B. die Architektur produzieren.
Privatbesitz, Museen, Galerien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Werke der bildenden Kunst können sich in Privatbesitz, in Museen oder Galerien befinden. In Privatbesitz sind die Werke oftmals für die Öffentlichkeit unzugänglich. Museen der Künste legen Sammlungen von Kunstwerken an, um diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In Galerien geht es um den Verkauf der gezeigten Werke an öffentliche oder private Sammler.[6] Nach dem Verkauf haben die Kunstschaffenden kaum Einfluss mehr auf den Verbleib des Werkes. Die Beteiligung an den Erlösen eines Weiterverkaufs ist durch das Folgerecht geregelt.
Qualität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Qualität (ästhetische Bewertung, Bedeutung, Wert) eines Kunstwerks ist ein künstlerisches, komplexes Maß. Dabei können die unterschiedlichsten Aspekte eine Rolle spielen wie die wesentlichen, materiellen und formalen Eigenschaften, die gesellschaftliche Bedeutung und Wirksamkeit oder der polyfunktionale Charakter.[7] Insgesamt gehört die Frage nach der Qualität eines Kunstwerks zu den umstrittensten Problemen in der Kunst.[8] Sie besitzt immer nur begrenzte Objektivität und orientierende Potenz. Vor allem wird die Qualität zu verschiedenen Zeiten (Epochen), unter verschiedenen historischen Bedingungen, an verschiedenen Orten oder durch verschiedene Gesellschaftsgruppen unterschiedlich bewertet. Es ist möglich, dass etwas neu erfahren oder entdeckt wird, das für die ästhetische Bewertung noch nicht von Bedeutung war. So ist eine andere Einschätzung, ein „entschiedener Bruch“ nicht ausgeschlossen.[9]
Ein Beispiel ist die schwedische Künstlerin Hilma af Klint (1862–1944). In einer Ausstellung 1986 in Los Angeles beurteilten Rezensenten ihre abstrakten Gemälde als abwegig und ohne Qualität.[10] Dreißig Jahre später – 2018 – widmete das Guggenheim Museum in New York der Künstlerin eine Retrospektive.[11] Die Schau war ein großartiger Erfolg und die Kunstwelt feierte sie als Pionierin der abstrakten Kunst.
Qualitätskriterien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz aller Einschränkungen lassen sich konkrete Qualitätskriterien benennen, mit deren Hilfe sich außergewöhnliche Werke von minderwertigen Werken oder gewöhnlicher Dekoration unterscheiden lassen. Diese Kriterien können aber immer nur Anhaltspunkte bilden.
- Künstlerin/Künstler: Der Aufwand beziehungsweise die Zeit der Erstellung, die Ausbildung, das handwerkliche Können, die Angemessenheit der künstlerischen Leistung wie auch die Bekanntheit und die Vernetzung der Künstlerin oder des Künstlers können eine Rolle spielen.
- Kunstwerk: Die formalen Eigenschaften des Kunstwerks wie Farbe, Komposition, Linienführung, Motiv, Perspektive und Technik und die materiellen Eigenschaften wie Erhaltungszustand, Format, Material und Textur können wesentlich sein. Wichtig können außerdem Innovation, Provokation, die gesellschaftliche Bedeutung und Wirksamkeit und der polyfunktionale Charakter sein.
- Betrachterin/Betrachter: Es kann von Bedeutung sein, inwieweit das Kunstwerk bei Betrachterinnen und Betrachtern eine emotionale Resonanz, eine Anregung zu Auseinandersetzung und Reflexion hervorruft.
- Kunstexpertin/Kunstexperte: Oft entscheidend bei der ästhetischen Bewertung eines Kunstwerks ist „das kennerisch geschulte Auge“ einer Kunstexpertin oder eines Kunstexperten. Das kann eine Kunsthistorikerin, ein Kunstkritiker, eine Kunstgutachterin, ein Restaurator, eine Kunsthändlerin oder ein Kurator sein.[12] Die Experteneinschätzung kann historisch überliefert oder aktuell sein.
Formen und Genres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- in der Literatur: literarisches Werk
- auf der Bühne:
- Schauspiel: Komödie, Tragödie
- Singspiel: Oper, Operette, Musical
- Ballett, Tanztheater, zeitgenössischer Tanz
- Kleinkunst: Kabarett (literarisch-politisch)
- im Hörfunk:
- auf Leinwand, Bildschirm und im Internet:
- in der Musik: Musikalisches Werk
- in der Bildenden Kunst:
- im öffentlichen Raum
- Interdisziplinär:
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Dudenredaktion: Duden - Deutsch als Fremdsprache - Standardwörterbuch: Das Wörterbuch für alle, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Bibliographisches Institut GmbH, 2018, ISBN 978-3-411-91257-5, S. 606 (google.com [abgerufen am 24. August 2022]).
- ↑ Eva Bambach-Horst u. a.: Der Brockhaus Kunst. 3., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Stichwort: Kunstwerk. F. A. Brockhaus Verlag, Mannheim, Leipzig 2006, ISBN 3-7653-2773-5, S. 505.
- ↑ Meyers enzyklopädisches Lexikon. Band 14, Stichwort: Kunst. Bibliographisches Institut, Lexikonverlag, Mannheim, Wien, Zürich 1975, S. 452.
- ↑ Werner Bornheim u. a.: Wissen im Überblick. Die Kunst – Wege zum Verständnis der Kunst: Künstler, Kunstwerk, Kunsterleben, Gattung, Stile. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1972, ISBN 3-451-16118-4, S. 13.
- ↑ Friedrich Jaeger (Hrsg.): Enzyklopädie der Neuzeit. Band 7, Stichwort: Künste, schöne. J. B. Metzler´sche Verlagsbuchhandlung und C. E. Poeschel Verlag GmbH, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-476-01935-6, S. 325.
- ↑ Ana Bambić Kostov: Wie verkauft man Kunst – Der ideale Leitfaden für Künstlerinnen und Künstler. In: Discovery Art Fair. 21. Januar 2021, ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 24. August 2022 (deutsch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
- ↑ Ludger Alscher u. a. (Hrsg.): Lexikon der Kunst. 1. Auflage. Band 4, Stichwort: Qualität. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00286-6, S. 825.
- ↑ Harald Olbrich (Hrsg.): Lexikon der Kunst. 1. Auflage. Band 5, Stichwort: Qualität, künstlerische. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00286-6, S. 825.
- ↑ Ludger Alscher u. a. (Hrsg.): Lexikon der Kunst. 1. Auflage. Band 5, Stichwort: Wert. VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1978, S. 575 und 576.
- ↑ 1986 fand im Los Angeles County Museum of Art die Ausstellung The Spiritual in Art: Abstract Painting 1890–1985 (Das Spirituelle in der Kunst: Abstrakte Malerei 1890–1985) statt. Neben Arbeiten von Künstlern wie Kandinsky, Malewitsch und Mondrian waren Arbeiten von Hilma af Klint als einziger Frau ausgestellt.
- ↑ Nicole Zepter: Folge 1: Von der Renaissance bis zur Abstraktion. In: Die großen Frauen der Kunst. 3sat, 15. März 2025, abgerufen am 15. März 2025 (deutsch).
- ↑ Harald Olbrich (Hrsg.): Lexikon der Kunst. 1. Auflage. Band 5, Stichwort: Qualität, künstlerische. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00286-6, S. 825.