Zum Inhalt springen

Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
(WIFO)
Logo
Rechtsform Verein
(ZVR: 736143287)
Gründung 1927 (Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises)
Gründer Friedrich August Hayek
Sitz Arsenal Objekt 20, Wien 3, Österreich
Zweck Wirtschaftsforschung
Vorsitz Gabriel Felbermayr
Beschäftigte 100 (in Vollzeitäquivalenten)
Website www.wifo.ac.at

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) ist ein als Verein organisiertes Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in Wien (auf dem Gelände Arsenal).

Das WIFO verfügt über ein jährliches Budget von 19,5 Millionen Euro (Stand 2024).[1]

Ziele, Aufgabenstellung und Mission

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sitz des WIFO im Wiener Arsenal

Erklärter Zweck ist die „Analyse der österreichischen und internationalen Wirtschaftsentwicklung“. Mit seinen Analysen versucht das Institut zur Fundierung und Versachlichung der wirtschaftspolitischen Diskussion beizutragen. Als unabhängiges Forschungsinstitut mit empirischer Ausrichtung beschäftigt es sich mit der österreichischen und zunehmend auch mit der europäischen Wirtschaftspolitik. Bekannt ist das WIFO für seine kurz- und mittelfristigen Konjunkturprognosen.[2]

Organisation und Struktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtsform ist ein Verein. Die Basisfinanzierung wird durch Mitgliedsbeiträge der institutionellen Träger, darunter das Bundesministerium für Finanzen, die Oesterreichische Nationalbank, die Mitglieder der österreichischen Sozialpartnerschaft, die Bundesländer und zu einem kleinen Teil von Unternehmen und Privatpersonen gesichert.[3] Öffentliche Fördermittel unterstützen die Grundlagenforschung. Rund ein Drittel des Budgets erzielt das WIFO über Drittmittel durch Aufträge, Verkäufe und sonstige Erträge.[1] Seit 1. Oktober 2021 wird das Institut von Gabriel Felbermayr geleitet. Er folgte in dieser Funktion auf Christoph Badelt.[4] Derzeit werden etwa 120 Mitarbeiter (in Vollzeitäquivalenten) beschäftigt.[1]

Geschichte des Instituts

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WIFO wurde 1927 als „Österreichisches Institut für Konjunkturforschung“ von Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises nach dem Vorbild von Ernst Wagemanns in Berlin ansässigen Institut für Konjunkturforschung[5] gegründet. Ab 1937 wirkte auch Alexander Gerschenkron am Institut.

Als Nachfolger Oskar Morgensterns wirkte von 1936 bis 1939 Reinhard Kamitz als Leiter,[6] der 1938 auch die Eingliederung in Wagemanns Institut durchführte.[7][8] Das Institut wurde zunächst in „Wiener Institut für Wirtschafts- und Konjunkturforschung“[9] und später in „Wiener Institut für Wirtschaftsforschung“[10] umbenannt.

Nach dem Krieg wurde das Institut unter der Bezeichnung „Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung“ von Franz Nemschak wieder ins Leben gerufen.[11] Ihm folgten als Leiter Hans Seidel, Helmut Kramer, Karl Aiginger (2005–2016) und Christoph Badelt 2016–2021[12][13] Mit 1. Oktober 2021 folgte ihm Gabriel Felbermayr nach.[14][15]

2018 folgte Harald Mahrer Christoph Leitl als Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts nach, Renate Anderl folgte auf Rudolf Kaske als Vizepräsidentin.[16] Weitere Vizepräsidentin ist Ingrid Kubin von der Wirtschaftsuniversität Wien.[17]

Forschung am WIFO

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angewandte Wirtschaftsforschung ist der Kernbereich der Vereinsarbeit. Die Tätigkeiten sind in fünf Forschungsgruppen gegliedert:[18]

  1. Makroökonomie und öffentliche Finanzen
  2. Arbeitsmarktökonomie, Einkommen und soziale Sicherheit
  3. Industrie-, Innovations- und internationale Ökonomie
  4. Regionalökonomie und räumliche Analyse
  5. Klima-, Umwelt- und Ressourcenökonomie

Zudem gibt es Fokusthemen, an denen bereichsübergreifend gearbeitet wird:[19]

  • Ageing
  • Digitale Transformation
  • Europäische Integration und globale Governance
  • Grüne Transformation und Energiesysteme
  • Konjunktur und Prognose
  • Lieferketten
  • Verteilung
  • Wettbewerbsfähigkeit

Die Gründer, Ludwig von Mises und der spätere Nobelpreisträger Friedrich von Hayek, gelten als führende Repräsentanten der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Nach dem Krieg setzte sich in der makroökonomischen Analyse am WIFO der Keynesianismus durch. Der enge Kontakt des WIFO zur Politik zeigte sich während dieser Zeit z. B. darin, dass der frühere Leiter Hans Seidel 1981 als Staatssekretär in die Regierung berufen wurde.

Gremien und Beiräte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ökonominnen und Ökonomen des WIFO bringen ihre Fachexpertise in rund 90 Gremien und Beiräten ein, darunter:[20]

Weblinks, Publikationen und Kanäle

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WIFO veröffentlicht mehrere Publikationsreihen wie die WIFO-Monatsberichte, die WIFO Reports on Austria, die WIFO Working Papers, die WIFO Research Briefs, den WIFO-Konjunkturtest, die Wirtschaft in den Bundesländern sowie die WIFO-Studien. Auch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit und die Beantwortung nationaler und internationaler Medienanfragen gehört zu den Kernaufgaben des WIFO.[24] Neben regelmäßigen Presseaussendungen[25] und -konferenzen[26] werden die Forschungsergebnisse des Institutes auch über Newsletter, Newsbeiträge oder Social Media kommuniziert. Das jährliche Ökonomenranking belegt regelmäßig die wissenschaftliche, politische und mediale Schlüsselrolle des WIFO in Österreich.[27][28][29]

Das Team „Data Science and Management“ des WIFO stellt Kennzahlen zum Wirtschaftsgeschehen im In- und Ausland im Rahmen des WIFO-Daten-Systems (WDS) zur Verfügung.[20]

Publikationsorgane und Daten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • WIFO-Monatsberichte
  • Empirica - Journal of European Economics
  • WIFO-Studien
  • WIFO Reports on Austria
  • WIFO Working Papers
  • WIFO Research Briefs
  • WIFO-Konjunkturtest
  • Wirtschaft in den Bundesländern
  • Nationale und internationale Wirtschaftsdaten in laufend aktualisierten Tabellen
  • Volkswirtschaftliche Datenbank mit interaktivem Zugriff auf die Datenbestände

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Durch multiple Krisen navigieren | Navigating Multiple Crises |Annual report 2025 (PDF; 6,7 MB), auf wifo.ac.at
  2. ↑ Vgl. Reichmann, W., 2010, Die Disziplinierung des ökonomischen Wandels: Soziologische Analysen der Konjunkturforschung in Österreich. Metropolis, Weimar bei Marburg. ISBN 3-89518-786-0.
  3. ↑ Eva Konzett: "Wenn der politische Druck unverschämt wird, dann lass ich es bleiben und geh auf die Universität". Der Falter, 27. Oktober 2021, abgerufen am 22. November 2021.
  4. ↑ Gabriel Felbermayr startet als WIFO-Direktor - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  5. ↑ Vgl. DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung)
  6. ↑ Wirtschaftsforschung zwischen Empirie, Theorie und Politik. Abgerufen am 16. September 2026.
  7. ↑ MONATSBERICHTE DES ÖSTERREICHISCHEN INSTITUTES FÜR KONJUNKTURFORSCHUNG. 11. April 1938, abgerufen am 16. September 2026.
  8. ↑ Hansjörg Klausinger: Das Österreichische Institut für Konjunkturforschung 1927 bis 1938: Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik in der Ersten Republik. WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S. 935-940, S. 939, abgerufen am 16. September 2026.
  9. ↑ MONATSBERICHTE DES WIENER INSTITUTES FÜR WIRTSCHAFTS UND KONJUNKTURFORSCHUNG. 21. Dezember 1939, abgerufen am 16. September 2026.
  10. ↑ MONATSBERICHTE DES WIENER INSTITUTS FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG. 9. Juli 1940, abgerufen am 16. September 2026.
  11. ↑ Prof. Dr. Franz Nemschak †. In: WIFO-Monatsberichte. April 1992, abgerufen am 16. September 2026.
  12. ↑ derStandard.at - Christoph Badelt wird WIFO-Leiter. Artikel vom 23. Februar 2016, abgerufen am 23. Februar 2016
  13. ↑ Wifo-Chef Badelt gibt 2021 Leitung ab. In: ORF.at. 30. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  14. ↑ Gabriel Felbermayr wird neuer Wifo-Chef. In: DerStandard.at. 6. April 2021, abgerufen am 6. April 2021.
  15. ↑ Gabriel Felbermayr startet als WIFO-Direktor. In: wifo.ac.at. 1. Oktober 2021, abgerufen am 3. Oktober 2021.
  16. ↑ orf.at: WIFO: Mahrer nun statt Leitl Präsident. Artikel vom 3. Juli 2018.
  17. ↑ Ingrid Kubin ist neue Vizepräsidentin des WIFO - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  18. ↑ Die fünf Forschungsgruppen des WIFO, auf wifo.ac.at
  19. ↑ Themenplattformen, auf
  20. 1 2 WIFO veröffentlicht Jahresbericht 2020 - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  21. ↑ Pensionsalter: Ruf nach Anhebung sorgt für Widerspruch. ORF.at, 22. August 2024, abgerufen am 22. August 2024.
  22. ↑ Mayrhuber fordert Anhebung des Pensionsantrittsalters. MSN (Microsoft Network), abgerufen am 23. September 2024.
  23. ↑ Christine Mayrhuber: Neue Formen der Pensionsvalorisierung für Österreich. In: WIFO. Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, 30. Juni 2021, abgerufen am 23. September 2024 (deutsch).
  24. ↑ WIFO veröffentlicht Jahresbericht 2020 - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  25. ↑ Presseaussendungen
  26. ↑ Pressekonferenzen
  27. ↑ WIFO-Spitzenergebnisse bei Ökonomenrankings - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  28. ↑ Ökonomenranking unterstreicht Schlüsselrolle des WIFO - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.
  29. ↑ Ökonomenranking: WIFO sichert sich drei von vier Spitzenplätzen - WIFO. Abgerufen am 22. November 2021.

Koordinaten: 48° 10′ 53,7″ N, 16° 23′ 23,8″ O