- Hackerangriff auf Berliner IT
- Zwei Senatsverwaltungen am Freitag vorsorglich vom Netz genommen
- Teils sensible Daten abgeflossen
- Weitere Hintergründe und Ausmaß unklar - Krisenstab eingerichtet
Die Berliner Verwaltung ist Ziel eines Hackerangriffs geworden. Wie die Senatskanzlei am Montag mitteilte, sei im Rahmen forensischer Untersuchungen eine "Inkriminierung des Landesnetzes" festgestellt worden.
Betroffen seien die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Beide seien aus Sicherheitsgründen bereits am Freitag "vom Landesnetz isoliert" worden, um weiteren Schaden abzuwenden. Ob der Angriff selbst am Freitag erfolgte oder lediglich an dem Tag festgestellt wurde, blieb offen.
Nach rbb-Informationen sind beide Senatsverwaltungen seit Freitagabend komplett vom Internet abgeschnitten. Die Kommunikation sei seither nur per Telefon möglich. Berlin Chief Digital Officer (CDO) Florian Hauer geht von einem externen Angriff aus, bei dem nach rbb-Infos auch sensible Daten abgeflossen sind.
Schwachstelle im IT-Bereich ausgenutzt
Dabei handele es sich um "zum Teil sehr sensible Daten", heißt es aus Behördenkreisen. Details dazu, welche Informationen die Hacker erbeuteten, gibt es bisher nicht. Die Senatskanzlei antwortete auf die Frage nach einem Datenabfluss zunächst nur: "Die Untersuchungen dauern noch an".
Wie der rbb erfuhr, nutzten die Angreifer offenbar eine Schwachstelle im IT-Betrieb der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, um das Landesnetz zu attackieren. Für die Lücke war nach rbb-Informationen nicht der landeseigene IT-Dienstleister ITDZ verantwortlich.
Verwaltungen "arbeitsfähig", aber ohne Internet
Nach rbb-Informationen teilen sich die beiden betroffenen Verwaltungen einen Teil ihrer IT und betreiben ihren Bereich des Landesnetzes in eigener Verantwortung abseits des ITDZ. Der Grünen-Abgeordnete Stefan Ziller kritisierte Versäumnisse bei der IT- Zentralisierung.
Die Senatskanzlei bestätigte dem rbb inzwischen, dass sie nach ersten Untersuchungen von einem "Hackerangriff" ausgeht. Dieses Wort war in der offiziellen Pressemitteilung vom Nachmittag nicht gefallen.
Nach Angaben der Senatskanzlei sind die beiden betroffenen Verwaltungen "arbeitsfähig". Nach rbb-Informationen sind die Mitarbeitenden allerdings offline und können nicht auf ihre normalen Arbeitssysteme zugreifen.
Zur Frage, wer hinter dem Angriff stecken könnte, äußert sich die Senatskanzlei bisher nicht. "Die Ermittlungen dauern an und werden vom Landeskriminalamt Berlin sowie der Staatsanwaltschaft Berlin geführt", schreibt sie dem rbb.
Grüne wollen Vorfall in Ausschuss besprechen
Die Grünen-Fraktion will den Sicherheitsvorfall am kommenden Montag im Digitalausschuss des Abgeordnetenhauses besprechen. Der Abgeordnete Stefan Ziller will unter anderem wissen, welche Sicherheitslücke es gab und ob sich daraus Risiken für andere Akteure im Berliner Landesnetz ergeben. Außerdem fordert er Informationen ein, welche Daten abgeflossen sind und welcher Schaden damit angerichtet werden könnte.
Krisenstab eingerichtet
Laut Senatskanzlei sind das Landeskriminalamt (LKA), die Staatsanwaltschaft Berlin und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet. Demnach wurde ein entsprechender Notfallkrisenstab unter Leitung des Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit eingerichtet.
Aufgrund des Vorfalls sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin der Deutschen Presse-Agentur (DPA).
600 Standorte verbunden
Das Berliner Landesnetz (BeLa) ist ein sicheres Hochgeschwindigkeits-Datennetz für die Berliner Verwaltung. Es verbindet rund 600 behördliche und öffentliche Standorte über ein unterirdisches Glasfasernetz und wird vom ITDZ Berlin betrieben.
Neben den Senatsverwaltungen sind unter anderem auch Berliner Polizei und Feuerwehr sowie Krankenhäuser angeschlossen.
Sendung: rbb24 Abendschau, 17.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 17.08.2026, Volker Wieprecht im Gespräch mit Boris Hermel
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