Ein Tölzer Hintern als Museums-Objekt
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Vor dem Floriansbrunnen am Fritzplatz bleiben viele Touristen stehen und bestaunen das nackte Hinterteil. Beeindruckt war auch Gerd J. Grein, vom Lengfeld-Museum in Südhessen. Er macht eine Ausstellung über Hintern. Und der Allerwerteste des Tölzer Florian ist mit dabei.
Lengfeld/Bad Tölz – Wohl kein Körperteil des Menschen wird – gerade auch im Dialekt – mit so vielen Ausdrücken beschrieben wie der Hintern. Popo, Arsch, Steiß, Podex, Anus, Gesäß, Allerwertester, Hinterteil sind nur einige Begriffe, die deutlich machen, dass der menschliche Hintern zu allen Zeiten Männlein wie Weiblein fasziniert hat. Ein ideales Thema für eine Ausstellung, dachte sich Gerd J. Grein, der Leiter des Museums für Odenwälder Volkskultur in Otzberg-Lengfeld.
Das im ehemaligen Rathaus untergebrachte Museum hat seine Standardsammlungen (etwa Trachten, Porzellan und Möbel aus der Region), macht aber jedes Jahr zu einem bestimmten Thema eine Sonderschau. So zum Beispiel über „Goethe und den Wein“, die Geschichte des Strumpfbands oder der Toilette.
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Im Jahr 2018 ist der Hintern das Objekt „einer kulturgeschichtlichen Einordnung“. Das Publikum kommt zahlreich, wie Grein erzählt. „Und zwar nicht nur Schicki Mickis, sondern ganz normale Leute.“ Es sei doch höchst erfrischend, wenn ihm eine 80-Jährige nach dem Besuch mitteile, dass das eine richtige schöne Ausstellung gewesen sei.
Mehr als 200 Exponate haben die Ausstellungsmacher zusammengetragen und die Schau stilecht mit „Kröver Nacktarsch“ (einem Wein) und „Crailsheimer Horaffen“ (ein Gebäck, das an einen dicken Hintern erinnert), eröffnet. Zu sehen sind blanke und angezogene Popos in allen denkbaren Ausführungen. Ob als Gemälde, Porzellanfiguren, Scherzpostkarten oder Fotografien.
Und hier kommt Bad Tölz ins Spiel. Grein war bis 2007 Leiter des Lengfeld-Museums, war aber für die Konzeption der 2018er-Jahresschau verantwortlich. Bei einem Besuch in Tölz habe er sich, so erzählt er, auch vor dem Floriansbrunnen am Fritzplatz wiedergefunden und die auffällige Darstellung des Florians mit nacktem Hinterteil gesehen. Ein Bild musste natürlich in die neue Jahresschau und das dazugehörige Ausstellungsbuch hinein. Der Tölzer Florian befindet sich in, nun ja, guter Gesellschaft. Neben dem „Leckarsch“, einem derb-erotischen Fabelwesen am Schloss von Kranichfeld sind Bilder vom „Dukatenscheißer von Goslar“ oder originelle Holzschnitzereien vom Schwäbischen Gruß („Leck mich am ...) zu sehen.
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Beim Tölzer Florian tut sich Ausstellungsmacher Grein mit der Erklärung genau so schwer wie Tölzer Historiker. Die Deutung, dass Florian seinen Allerwertesten dem örtlichen Finanzamt oder Mauthäusl, also verklausuliert der Tölzer Obrigkeit, entgegenstreckt, ist nämlich ziemlich sicher falsch. Der Floriansbrunnen ist kein Einzelwerk. Das Modell wurde vor 113 Jahren nach einem Modell des Münchner Akademieprofessors Rudolf Seitz angefertigt, wie dem Tölzer Kurier vom 8. März 1905 zu entnehmen ist. Er war Ersatz für einen defekten Brunnen. Der Kurier schreibt damals aber auch nicht, warum Seitz den Heiligen mit entblößtem Hintern abbildete.
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Sicher ist nur, dass das Florians-Modell mehrere Käufer hatte. In Dorfen steht zum Beispiel vor der Marktkirche ein Brunnen mit gleicher Floriansfigur. Dort ist der Patron der Feuerwehr allerdings nicht aus Holz, sondern aus solidem Gusseisen.
Christoph Schnitzer
Ausstellung
Wer nach Otzberg-Lengfeld bei Darmstadt kommt. Die Ausstellung läuft bis November 2018. Infos unter: www.museum-lengfeld.de