Ich bin seit Jahrzehnten Basketball-Fan und habe lange selbst gespielt, weiß also, wie weit weg ich von einem Profibasketballer bin.
Stephen Curry ist einer meiner Lieblingsspieler und neulich hab ich gelesen, wie sein Training eigentlich aussieht.
In der Vorbereitung macht er 500 Dreier. Pro Tag. Nicht wirft, er trifft sie. Er geht nicht vom Platz, bevor 500 drin sind. Während der Saison sind es immer noch 200 bis 350.
Und das seit 17 Jahren in der NBA und seine Zeit davor gar nicht mitgerechnet.
Im Spiel hat er in dieser Zeit rund 4.250 getroffen. Auf jeden Dreier in vollen NBA Hallen kommen also Hunderte in einer leeren Halle ohne Publikum.
Die Zahlen gehen mir nicht aus dem Kopf, weil ich seit Monaten über etwas nachdenke, das damit zu tun hat.
In der IT-Branche sind wir uns ziemlich einig, wie es weitergeht: Die KI schreibt, der Mensch prüft und entscheidet. Das sagen gerade alle. Ich übrigens auch.
Nur, woher kommt dieses Urteilsvermögen?
Ich sehe heute in 20 Sekunden, ob ein Stück Code später Ärger machen könnte. Nicht weil ich besonders schlau wäre, sondern weil ich 29 Jahre lang genau diesen Ärger selbst gebaut habe. Fast jeder Fehler, den ich erkenne, ist einer, den ich vorher auch mal gemacht habe.
Das sind meine Würfe in der leeren Halle.
Die Generation, die jetzt anfängt, bekommt diese Wiederholungen nicht mehr: Es gibt schlicht keinen vernünftigen Grund mehr, eine Stunde mit einer Funktion zu ringen, die mit KI in 10 Sekunden gebaut und getestet ist.
Und wir Profis verlieren wahrscheinlich zunehmend diese Fähigkeit, weil wir es immer weniger üben.
Und da beißt es sich. Die Fähigkeit, die laut allen übrig bleibt - prüfen, einordnen, entscheiden - ist genau die, die aus den Wiederholungen entsteht, die wir gerade abschaffen.
Ich habe darauf keine gute Antwort. Ich nutze KI täglich und will nicht zurück. Aber wo führt sie uns hin?
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