Kim Petras im GLAMOUR Cover-Interview über ihre Rolle als Rolemodel, wieso ihre Musik anders ist und ihren Weg zu globalem Ruhm
Manchmal ist ein Umweg keine Abweichung, sondern der einzige Weg zurück zu sich selbst. Kaum jemand verkörpert das derzeit so radikal wie die deutsche Pop-Obsession Kim Petras. Als erste offen trans* Künstlerin erreichte sie mit “Unholy” die Spitze der US-Billboard-Charts und gewann 2023 gemeinsam mit Sam Smith einen Grammy.
Was bei anderen nach Image aussieht, ist bei ihr Haltung: Hyperfemininität, Club-Referenzen, große Pop-Gesten, präzise Mode-Codes – alles ist kontrolliert, alles bewusst, alles Teil einer künstlerischen Welt, die sie sich über Jahre selbst aufgebaut hat.

Schon als Teenagerin entschied sie sich, öffentlich über ihre Transition zu sprechen – nicht, um Schlagzeilen zu produzieren, sondern um für ihre eigene Wahrheit einzustehen. Mit 13 Jahren sprach Kim Petras bei “Stern TV” über ihre Hormonbehandlung und wurde kurz darauf durch eine Reportage über ihre Transidentität international bekannt.
Sie stand offen für ein Leben ein, über das damals kaum jemand sprechen wollte. Nicht als Provokation, sondern als frühe Form von Selbstermächtigung. Öffentlich und laut setzt sie ihre Geschlechtsangleichung durch, obwohl dieser Schritt in Deutschland damals eigentlich Volljährigkeit voraussetzte, bekommt sie eine Ausnahmegenehmigung für die Operation und wird so nicht nur zu der jüngsten trans* Frau weltweit, sondern auch zum Rolemodel.
„Trans* zu sein, ist keine Entscheidung. Niemand entscheidet sich dafür, sich zu verstecken oder sich selbst zu unterdrücken. Das ist kein echtes Leben.“ Kim Petras
Aber Kim Petras wollte nie nur ein Symbol sein. Sie wollte Pop. Und sie wusste früh ziemlich genau, wie groß dieser Pop werden sollte. Als sie in Deutschland keinen Plattenvertrag bekam, ging sie mit 19 Jahren nach Los Angeles, schlief auf fremden Sofas, finanzierte sich mit dem Geld aus ersten Songwriting-Jobs und schrieb Songs in Dauerschleife. Mit “Unholy” wurde die aus der Nähe von Köln stammende Künstlerin in den USA zum Weltstar – und endgültig unübersehbar.


Aber mit “Unholy” kam nicht nur globale Sichtbarkeit, sondern auch Druck. Mehr Erwartungen. Mehr Stimmen von außen. Mehr Menschen, die meinten, zu wissen, wie Kim Petras als Nächstes zu klingen, auszusehen, zu funktionieren habe.
Also hat sie neu angesetzt: im engen Freund:innenkreis, mit neuen Kollaborationen, mit mehr Kontrolle über den Sound – und der Trennung von ihrem Plattenlabel. Mit „Detour“, ihrem dritten und selbst finanzierten Album, bei dem sie erstmals auch als Co-Produzentin aller Songs fungiert, macht Kim Petras genau daraus ein Statement. Es ist ein Befreiungsschlag: weg von Erwartungen, Labels und Druck, zurück zur eigenen Kontrolle. Kim Petras ist nicht deshalb spannend, weil sie Geschichte geschrieben hat. Sondern weil sie gerade zeigt, was danach kommt.
Für GLAMOURs Pride Issue spricht sie über kreative Freiheit, den Bruch mit alten Erwartungen, Mode als Rüstung, queere Sichtbarkeit in politisch aufgeladenen Zeiten – und darüber, warum wahre Selbstermächtigung manchmal genau dort beginnt, wo man aufhört, um Erlaubnis zu bitten.
Kim Petras im GLAMOUR Interview über ihr neues Album “Detour”, Pride und den Weg zu sich selbst
GLAMOUR: Was bedeutet der Name deines Albums, “Detour”, für dich?
Es ist wie eine Neuerfindung. Und wie Erwachsenwerden. Ich wollte Musik machen, die für einen Moment alles um mich herum ausblendet. Songs, die nicht funktionieren müssen, sondern ehrlich sind. Viele davon haben mich als Songwriterin auf ein neues Level gebracht, weil sie näher an meinem echten Leben sind als vieles davor.
Warum “Detour”?
Weil ich das Gefühl hatte, auf einem Weg zu sein, der nicht mehr ganz meiner war. Major-Label, Hit-Druck, Charts, Erwartungen. Plötzlich gab es diese Vorstellung davon, wie ich als Künstlerin klingen, aussehen, funktionieren sollte. Dabei wollte ich eigentlich nur Musik machen. Musik, hinter der ich wirklich stehe, die mir gefällt. Ich musste weg von diesem Weg, den andere für mich gebaut hatten, und meinen eigenen finden. Deshalb “Detour”. Es fühlte sich an wie das Ende einer Straße. Und ich musste eine andere nehmen, um Musik wieder lieben zu können.
“Plötzlich gab es diese Vorstellung davon, was für eine Künstlerin ich sein sollte. Dabei wollte ich nur Musik machen, die mir gefällt.” Kim Petras
Du hast dich öffentlich von deinem Label gelöst. War das der Moment, in dem du dir die Kontrolle zurückgeholt hast?
Ich musste mich aus einer Situation befreien, in der andere bestimmt haben, was ich tun darf. Mein Album war längst fertig, trotzdem durfte es nicht raus. Stattdessen wurde Druck aufgebaut: Wenn du dies oder das nicht machst, gibt es keinen Release.
Ist “Detour” dein persönlichstes und vielleicht mutigstes Album?

Ja. Denn mir ist egal, ob es allen gefällt oder nicht. Dieses Album ist für mich. Ich wollte Pop weiterdenken. Nach Zukunft klingen, nicht nach Vergangenheit. Zum ersten Mal style ich mich selbst. Ich habe meine eigene visuelle Stimme gefunden.
Viele kennen mich für sehr süße Pop-Momente, sehr sexuelle Songs oder düstere Tracks. “Detour” zeigt auch eine sanftere Seite von mir, die ich bisher kaum gezeigt habe. Es geht darum, Rollenbilder und Personas abzulegen und ehrlicher zu sein.
Was hat dich bei den Aufnahmen an dir selbst am meisten überrascht?
Dass ich eine ziemlich gute Produzentin bin. Als Co-Produzentin bei allen Songs konnte ich den Sound wirklich mitprägen. Ein Teil des Albums ist während der Brände in Los Angeles entstanden. Ich musste mein Haus evakuieren, fuhr mit Freund:innen in die Wüste und schrieb dort einfach weiter. Das hat mir gezeigt: Ich kann überall Musik machen. Ich kann einfach arbeiten. Ich kann einfach ich selbst sein. Das ist Freiheit.
Wir sprechen für unsere Pride-Ausgabe – was bedeutet Pride für dich im Jahr 2026?
Pride fühlt sich 2026 ehrlich gesagt kompliziert an. Einerseits bin ich stolz, wenn ich sehe, wie viele großartige trans* Frauen gerade sichtbar sind und abliefern. Wenn ich jemanden wie Alex Consani sehe, denke ich sofort: “Du bist die Coolste!” Das gibt mir Hoffnung.
Gleichzeitig ist die Welt beängstigend. So viel Hass, Unsicherheit, Rückschritt. Es gibt beides gleichzeitig: mehr Sichtbarkeit und mehr Gegenwehr gegen genau diese Sichtbarkeit. In vielerlei Hinsicht ist es heute schwerer denn je, einfach man selbst zu sein, ohne bewertet zu werden.


Du bist für viele Menschen ein Symbol von Sichtbarkeit und Hoffnung. Gleichzeitig willst du nicht auf deine Identität reduziert werden. Wie hältst du diese Balance?
Ich finde es sehr wichtig, über Transidentität zu sprechen. Es darf nie ein Tabuthema werden, denn genau das hält Dinge auf. Ich setze mich auch politisch für Trans*-Rechte ein, weil ich gar nicht anders kann. Gleichzeitig sehe ich mich zuerst als Künstlerin und will über meine Musik ernst genommen werden. Trans* zu sein, ist ein Teil von mir – aber nicht die ganze Geschichte. Es ist eine Wahrheit über mich, aber nicht mein einziger Kontext.
Was wünschst du dir, dass Menschen über trans* Leben endlich verstehen?
Dass es keine Entscheidung ist. Niemand entscheidet sich dafür, sich zu verstecken oder sich selbst zu unterdrücken, wenn das die eigene Wahrheit ist. Das fühlt sich nicht gut an. Das ist kein echtes Leben. Mein Grundsatz ist simpel: leben und leben lassen. Menschen sollten einfach weniger urteilen.
Welche Zukunft wünschst du dir für junge trans* Mädchen, die heute aufwachsen?
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der es gar nicht so viel bedeutet, ein trans* Mädchen zu sein. In der es einfach heißt: Du bist genauso viel wert wie alle anderen. Du kannst jeden Job bekommen, den du willst, erfährst keine Diskriminierung und wirst nicht als weniger angesehen. Gleichheit für alle – das wäre doch ein ziemlich gutes Ziel.
„Ich wünsche mir eine Zukunft, in der es gar nicht so viel bedeutet, ein trans* Mädchen zu sein. Du bist genauso viel wert wie alle anderen.“ Kim Petras
Was gibt dir in solchen Momenten Halt?
Ganz klar: meine Freund:innen. Die Menschen, die mir am nächsten sind. Und meine Fans. Ein Teil von mir fühlt sich ihnen gegenüber wie eine große Schwester. Viele meiner Fans sind jüngere queere Kids oder Menschen, die gerade erst herausfinden, wer sie sind. Für sie möchte ich diese Stimme sein.
Ich möchte, dass sie meine Songs hören – im Zug, im Bus, in den Momenten, in denen sich die Welt feindlich anfühlt. Wenn sie vielleicht ihr cutes Outfit unter einer dicken Jacke verstecken, nur um in Ruhe gelassen zu werden. Ich kenne dieses Gefühl so gut. Ich will diese Stimme sein, die sagt: “Ich verstehe dich. Du bist genau richtig, so wie du bist.”

Kim Petras über ihre Karriere, Zweifel und weltweiten Erfolg
In deinen ersten Jahren in L. A. hast du zeitweise mit nur fünf Dollar am Tag gelebt…
Ich habe früh gelernt, mit wenig auszukommen. In Deutschland habe ich gekellnert und alles zusammengespart. Mit 16 hatte ich dann einen Songwriting-Deal mit Universal und schrieb unter anderem Werbejingles für T-Mobile. Mit dem Geld bin ich nach L. A. gegangen. Dort kannte ich genau einen Produzenten und schlief eineinhalb Jahre auf seiner Couch im Gästezimmer. Ich habe immer auf Englisch geschrieben, ich habe amerikanischen Pop geliebt. Für mich war klar: Wenn ich das wirklich will, muss ich dorthin. Meine Eltern haben sich natürlich Sorgen gemacht, aber sie wussten auch, dass ich das wirklich wollte.
Wusstest du schon früh, dass du Sängerin werden willst?
Ja. Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie. Meine Mutter und meine Schwester singen, mein Vater spielt mehrere Instrumente. Musik war immer da. Natürlich klingt es erst mal verrückt, wenn man sagt: “Ich werde Popstar.” Deshalb war mein vernünftiger Plan, erst einmal Songwriterin zu werden und diesen Weg später zu nutzen, um selbst Popstar zu werden.
Gab es auf dem Weg viele Zweifel von außen?
Meine Familie hat mich immer unterstützt. Die größten Zweifel kamen von Leuten in der Schule, von Fremden, von Menschen online. Aber meine Eltern waren immer sehr klar: “Mach, was dich glücklich macht, aber arbeite hart dafür.”
Meine Mutter ist Tanzlehrerin, mein Vater Architekt. Beide haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ich hatte also wirklich Glück. Meine Schwestern haben sich natürlich manchmal über mich lustig gemacht, aber das gehört dazu.
“Unholy” war ein weltweiter Moment. Was hat dieser Erfolg mit dir gemacht?
Meine ganze Karriere lang dachte ich, ich brauche nur einen Hit, um wirklich glücklich zu sein. Oder um als erfolgreich zu gelten. Ehrlich gesagt habe ich mich aber schon erfolgreich gefühlt, als meine Shows in L. A. und New York ausverkauft waren, ich Alben gemacht habe, die ich liebe, und diese echte Verbindung zu meinen Fans hatte. Nur um mich herum gab es immer dieses Narrativ, dass ich einen Hit brauche.
Und als “Unholy” dann passiert ist, dachten plötzlich auch alle anderen: “Okay, jetzt ist sie erfolgreich.” Ich bin diesem Song und Sam Smith für immer dankbar. Aber gleichzeitig wurden die Stimmen von außen plötzlich viel lauter. Viel mehr Menschen wollten mitreden und bestimmen, wie ich diesen Moment “maximiere”. Und genau das hat sich irgendwann nicht mehr nach dem angefühlt, warum ich Musik mache.
Ich mache Musik wegen der Kunst. Wegen des Schreibens, des Performens und der Verbindung zu meinen Fans. Nicht, damit alle in der Industrie ein Mitspracherecht an meinem nächsten Schritt haben. Ich musste lernen, zu vielem Nein zu sagen und mich neu zu sortieren.
“Ich habe mich von allem befreit, wovon ich mich befreien musste.” Kim Petras
Das heißt: Der Erfolg, von dem du dachtest, er würde dir Freiheit geben, hat dir erst mal Freiheit genommen?
Ich dachte immer, wenn ich einmal einen Hit habe, kann ich endlich machen, was ich will. Aber es war das komplette Gegenteil. Heute habe ich endlich das Gefühl, die Musik veröffentlichen zu können, die ich wirklich machen will – und zwar genau so, wie ich es will. Ich muss nichts mehr verändern, nur weil irgendjemand meint, es müsse so sein. Ich muss keine Songs mehr auf ein Album packen, die dort für mich nicht hingehören.
Wo hört Kim Petras als Privatperson auf und wo beginnt sie als Künstlerin?
Privat denke ich viel nach, vielleicht zu viel. Auf der Bühne muss ich nicht nachdenken. Da passiert alles ganz natürlich. Die Künstlerin Kim Petras ist wie eine übersteigerte Version von mir.
Privat bin ich viel zurückgezogener. Ich mag Anonymität, ich mag meine engen Freund:innen. Ich muss nicht immer flashy sein oder gesehen werden. Die Bühne ist die maximale Version meiner selbst, erschaffen, um mich komplett ausdrücken zu können. Es ist irgendwie Drag. Und ich glaube, jede:r braucht manchmal genau so ein Ventil.
Früher habe ich diese Bühnenversion von mir auch im echten Leben zu sehr weitergetragen. Irgendwann hat das alles überlagert. Heute ziehe ich da viel bewusstere Grenzen. Ich schütze mein Privatleben viel mehr. Das war eine wichtige Lektion.
Kim Petras über Mode, Vintage-Pieces und Doll-Ästhetik
Was bedeutet Mode für dich: Instinkt, Rüstung, Performance?
Alles. Mode war für mich schon immer essenziell. Ich bin nach der Schule nach Hause gerannt, um Karl Lagerfelds Chanel- oder John Gallianos Dior-Shows zu schauen. Ich war besessen von dieser Fantasie, die Mode erschaffen kann – von Welten, Stimmungen, Geschichten.
Für mich hat das total viel mit Musik zu tun. Ich gehe sogar lieber gestylt als in Sweatpants ins Studio. Ich muss mich in meinem Look wohlfühlen – dann singe ich besser, dann arbeite ich besser.
Hilft dir Mode dabei, deine Bühnenversion sichtbar zu machen?
Mode hilft mir, ein Bild zu erschaffen, eine Fantasie, eine Haltung. Ich liebe den Gedanken, dass man manchmal sein Leben verändern kann, indem man seinen Look verändert.
Je älter ich werde, desto wichtiger ist mir, dass alles zu mir passt. Ich will keine Dinge mehr, die sich nur zu 80 Prozent richtig anfühlen. Ich will nur noch Dinge, die sich zu 100 Prozent richtig
anfühlen.

Ferragamo. Ohrringe: Susa BeckAnthony Arquier

Du arbeitest viel mit Vintage-Pieces aus Marc Jacobs’ Louis-Vuitton-Zeit. Warum gerade diese Ära?
Ich baue mir gerade mein eigenes Archiv auf, mit Stücken und Kollektionen, die ich liebe. Ich sammle Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten. Vieles davon stammt aus Marc Jacobs’ Zeit bei Louis Vuitton. Ich liebe Marc Jacobs. Er war bei diesem Projekt unglaublich unterstützend, und ich liebe diese Romantik, die Vuitton in dieser Zeit hatte.
Ich kaufe Stücke aus 2006, 2008 oder 2011 – Dinge, die sich nach mir anfühlen und meine Looks persönlicher machen. Gerade für “I Like Your Look” hat diese Marc-Jacobs-Doll-Ästhetik perfekt gepasst. Der Song handelt davon, sich seiner Identität nicht ganz sicher zu sein und cooler wirken zu wollen, als man sich eigentlich fühlt. Dieses leicht Puppenhafte, fast Künstliche, das war visuell genau richtig.
Wo findest du all diese Vintage-Schätze?
Überall. Ich shoppe in jeder Stadt, in der ich bin. Und natürlich bei The RealReal, Vinted, Vestiaire Collective, Depop, Poshmark. Ich habe überall Alerts aktiviert und muss mich manchmal wirklich bremsen. GLAMOUR feiert Frauen mit Haltung. Welche haben dich geprägt?
Definitiv Madonna, Gwen Stefani, Kylie Minogue, Grace Jones, Janet Jackson. Aber auch Tippi Hedren und Catherine Deneuve. Mich faszinieren Frauen, die keine Angst vor ihrer Sexualität haben, keine Angst davor, sie selbst zu sein – und genau wissen, wer sie sind.

Kim Petras über Empowerment, Macht und Mantras
Müssen weibliche Popstars heute immer noch härter kämpfen, um als Künstlerinnen ernst genommen zu werden?
Absolut. Pop, vor allem wenn er sexy, bunt oder sehr visuell ist, wird immer noch unterschätzt. Sobald etwas sehr feminin, glamourös oder verspielt ist, gilt es schnell als weniger “ernst”. Dabei ist es hochintelligent, ein Image zu erschaffen, eine visuelle Sprache, eine Marke, eine Ästhetik.
Pop muss gleichzeitig smart und zugänglich sein, emotional tief – und trotzdem so direkt, dass man ihn nachts um drei im Club mitsingen kann. Diese Balance ist unglaublich anspruchsvoll. Und Frauen kämpfen immer noch häufiger mit dem Vorurteil, dass “hinter ihnen” jemand anderes steckt, der alles macht. Ich weiß nicht, warum dieses Narrativ immer noch existiert. Aber es existiert.
Was bedeutet Macht heute für dich?
Macht bedeutet für mich, wirklich zu wissen, wer du bist. Zu wissen, was du schön findest, wofür du kämpfen willst, was du akzeptierst und was nicht. Es bedeutet, Kontrolle über das eigene Leben zu haben, aber auch, weich, lieb und freundlich sein zu dürfen. Echte Stärke zeigt sich oft genau darin: Wenn du wirklich sicher in dir bist, musst du nicht hart sein, um mächtig zu wirken.
“Meinem jüngeren Ich würde ich versprechen, gut auf es aufzupassen. Und ich würde ihm sagen: ‘Lebe ein bisschen mehr.’” Kim Petras
Was kommt nach “Detour”?
Ich schreibe schon am nächsten Album. Es ist ein komplett anderes Konzept. Ich schreibe eigentlich immer Songs, auch für andere Künstler:innen, vor allem für Freund:innen. Irgendwann habe ich Lust auf eine eigene Brand, vielleicht auch auf ein Buch. Ich will kreativ bleiben und gleichzeitig “Detour” den Raum geben, den es verdient. Ich bin oft schon beim Nächsten. Diesmal will ich das bewusst anders machen.
Wenn du heute mit deinem jüngeren Ich sprechen könntest – was würdest du ihm sagen?
Ich würde ihm versprechen, dass ich gut auf es aufpasse. Ich hatte schon als Kind das Gefühl, ich müsste es unbedingt schaffen, meiner Familie helfen, beweisen, dass ich etwas wert bin. Später wurde ich ein richtiger Workaholic, habe mich komplett abgeschottet und nur noch Songs geschrieben.
Heute würde ich ihm sagen: “Entspann dich ein bisschen. Geh raus. Iss ein Eis. Sitz in der Sonne. Tu mal nichts.” Ich würde ihm sagen, es soll ein bisschen mehr leben.

Head of Editorial Content & Stylist: Theresa Pichler @theresa.pichler
Photographer: Anthony Arquier @anthonyarquier
Visuals Editor & Producer: Viki Domeier @vikidomeier
Senior Fashion Editor: Madeline Dangmann @iammadelined
Hair: Adiam Habtezion/Opus Beauty @adiamhabtezion @opusbeauty
Make-up: Sabina Pinsone/Opus Beauty @sabinapinsone @opusbeauty
Maniküre: Tanja Gravina/Opus Beauty @nailsbygravina @opusbeauty
Set Designer: Pertti Hagelstein @pertti.tv
Set Assistant: Clara Goulard @claragoulard
Photo Assistant: Manon Bailo @manonbailo




