The Wayback Machine - https://web.archive.org/web/20120528123554/http://online-media.uni-marburg.de:80/biologie/botex/mallorca05/marc/entstehung.html
Entstehung

Mallorcas Entstehung ist eng mit der alpidischen Orogenese und der Formung unseres heutigen Mittelmeeres verknüpft.
Während des Paläozoikums formten die heutigen Kontinente zusammen einen Urkontinent, der als Pangaea bezeichnet wird. Umgeben wurde Pangaea von dem Urmeer Panthalassa. Ein Teil des Urmeeres stellt das Tethysmeer als schenkelförmige Einbuchtung, die vom heutigen Spanien bis etwa zum Irak sowie von Tunesien bis zur arabischen Halbinsel reichte, dar.
Vor rund 200 Mio. Jahren brach Pangaea letztlich auseinander und nach und nach ordneten sich die Kontinentalplatten so an, wie wir sie heute beobachten. Eine ausführliche Beschreibung der Bewegungen der einzelnen tektonischen Platten würde an dieser Stelle zu weit führen, sodass sich die folgenden Ausführungen auf die afrikanische und eurasische Platte sowie das Tethysmeer beschränken.
Die afrikanische Platte bewegte sich nach dem Auseinanderbrechen Pangaeas in Richtung Norden. Diese Bewegung war auf der östliche Seite der Platte stärker ausgeprägt als im Westen, sodass eine langsam rotierende Bewegung zustande kam. Dadurch verengte sich das Tethysmeer besonders im Osten wodurch es die Gestalt einer Meerenge zwischen Afrika und Eurasien erhielt, die den Atlantik mit dem Indischen Ozean verband. Durch die anhaltende nordwärts gerichtete Drehbewegung Afrikas wurde schließlich die Öffnung des Tethysmeeres zum Indischen Ozean geschlossen, so dass ein Restmeer übrig blieb, welches wir heute als Mittelmeer bezeichnen.
Nicht nur die Entstehung der Form unseres heutigen Mittelmeeres ist eng mit der Bewegung der afrikanischen Platte verknüpft, sondern auch die Entstehung der Alpen.
Im Zeitalter des Jura, also bevor die nordwärts gerichtete Bewegung der afrikanischen Platte einsetzte und das Tethysmeer noch relativ breit war, kam es zu einer massiven Sedimentation von Kalk im Tethysmeer. Der Kalk, der aus abgestorbenen anorganischen Bestandteilen von Meeresorganismen stammt (à siehe Gesteine), lagerte sich in mächtigen Schichten in der sogenannten Geosynklinale der Tethys ab, welche eine langgestreckte, absinkende Sedimentationsmulde darstellt. Im Laufe der Jahrmillionen verfestigte sich der Kalk zu Kalkstein und durch Einlagerung von Magnesium in die Kristallstruktur auch zu Dolomit.

Mit dem Beginn der Bewegung der afrikanischen Platte vor etwas mehr als 100 Mio. Jahren begann auch die Subduktion der Platte unter die eurasische Platte. Als Resultat dieser Bewegung kam es zu einer starken Auffaltung sowohl des alten Grundgebirges als auch der mächtigen Sedimentationsschicht aus der Geosynklinalen. Die Mächtigkeit der jurassischen Kalksedimente lässt sich erahnen, wenn man bedenkt, dass weite Teile des alpidischen Gebirgsgürtels aus Kalkstein bestehen.
Neben der starken Auffaltung des Bereichs kam es auch zu einer massiven Emporhebung. Zu dem Gebirgsgürtel, der durch die beschriebenen Vorgänge entstanden ist, gehören neben den Alpen auch das Atlasgebirge auf afrikanischer Seite (Marokko), die betische Kordilliere in Südostspanien, die Pyrenäen, der Apennin, die Karpaten und das dinarische Gebirge der Balkanländer.
Da die Balearen als Teil der betischen Kordilliere, die zwischen den Balearen und dem spanischen Festland unter dem Meeresspiegel verlaufen, angesehen werden können, sind sie also ebenfalls ein Produkt der alpidischen Orogenese.
Mallorca lag vor 100 Mio. Jahren als Bestandteil der kontinentalen eurasischen Platte als große ebene Fläche vor, die im Zuge der alpidischen Auffaltung zusammengepresst wurde und sich dabei um 55 % verkleinerte. Dabei bildete sich die heutige orographische Struktur der Insel, wie sie im Kapitel "Relief" beschrieben wird.
Im Tertiär stiegen aufgrund höherer Temperaturen die Meeresspiegel an und die flachen, tief gelegenen Regionen Mallorcas wurden dauerhaft vom Meer überflutet, sodass nur die Gebirgszonen aus dem Meer hervorragten.
Als im Quartär die Temperaturen absanken und sich an den Polkappen mehr Eis ansammelte, sanken die Meeresspiegel rapide ab und das mallorquinische Flachland "erhob" sich über den Meeresspiegel. Während der Eiszeiten lag der Meeresspiegel im Mittelmeer bis zu 100 Meter unter dem heutigen Wasserstand und deshalb umfasste die Insel im Pleistozän eine größere Fläche als in unserem Zeitalter. Heute beträgt die Fläche Mallorcas etwa 3640 km2 und ist damit etwas größer als das Saarland.