Kanonissenstift Lindau
Territorium im Heiligen Römischen Reich | |
|---|---|
| Stift Lindau | |
| Wappen | |
| Karte | |
| Reichsstadt und Reichsstift Lindau (rechts unten auf der Insel im Bodensee) | |
| Lage im Reichskreis | |
| Alternativnamen | gefürstetes Damenstift, Fürststift, Fürstabtei, Reichsstift, Reichsabtei, Abtei, Kloster; Kanonissenstift, Chorfrauenstift |
| Entstanden aus | Benediktinerinnenkloster; Augustiner-Chorfrauenstift; |
| Herrschaftsform | Wahlmonarchie |
| Herrscher/ Regierung | Fürstäbtissin, Reichsäbtissin |
| Heutige Region/en | DE-BY |
| Reichstag | keine Reichsstandschaft wegen des fehlenden geschlossenen Territoriums |
| Reichsmatrikel | 1521: 2 Roß, 10 Fußsoldaten, 90 Gulden; 1663: 5 zu Fuß oder 20 Gulden; 18. Jh.: 5 zu Fuß oder 20 Gulden, seit 23. März 1682 auf 13 Gulden ermäßigt; zum Cammergericht 37½ Gulden |
| Reichskreis | Schwäbischer Reichskreis |
| Kreistag | Kreisstandschaft; Kreismatrikel: 2 zu Ross, 12 zu Fuß (1532) |
| Hauptstädte/ Residenzen | Lindau |
| Konfession/ Religionen | römisch-katholisch |
| Sprache/n | Deutsch, Lateinisch |
| Fläche | kein eigenes Herrschaftsgebiet |
| Aufgegangen in | Fürsten von Bretzenheim (1803); Haus Österreich (1804); Bayern (1805) |
| Siehe auch | Reichsstadt Lindau |
Das Kanonissenstift Lindau (lat. Abbatia (imperialis) Lindaviensis) ist ein ehemaliges Chorfrauenstift in Lindau (Bodensee) in Bayern im damaligen Bistum Konstanz. Dieses war seit in dem ausgehenden Mittelalter ein (reguliertes) Damenstift und trug den vollständigen Namen „Unserer Lieben Frau unter den Linden“. Es war seit der frühen Neuzeit eine reichsunmittelbare Fürstabtei. Seine Vorsteherin war seither eine Fürstäbtissin.
Geschichte
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Das „Unserer Lieben Frau unter den Linden“ geweihte Kloster wurde durch Graf Adelbert von Rätien aus dem Geschlecht der Burchardinger um das Jahr 822, eventuell aber auch schon um 817, gegründet. Laut Gründungslegende soll dieser im Jahr 810 bei einer Überfahrt auf dem Bodensee in einen gefährlichen Sturm geraten sein und gelobt haben, bei seiner Rettung an der Stelle, an der er wieder festen Boden unter den Füßen hätte, ein Kloster zu errichten.[1] Das Kloster gilt als Urzelle der Stadt Lindau und wurde in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens wohl von Benediktinerinnen geführt und bereits in karolingischer Zeit im Jahr 839 mit Immunität ausgestattet.
Die Stadtgeschichte Lindaus ist sehr eng mit dem Kanonissenstift verbunden, da die Verlegung des Klostermarktes vom Festland (von der Gemeinde Aeschach) auf die Insel um 1079 die ökonomische Grundlage zur Stadtentstehung bildete. Während des 11. Jahrhundert stand das Klosterleben in Lindau in Blüte. Im 12. Jahrhundert fielen die Vogteirechte an den König und irgendwann zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert – manche Forschungen nennen die Jahre 1256 und 1267 – wurde das Kloster in ein Stift von Augustinerchorfrauen umgewandelt. Die Augustinusregel eignete sich im Hoch- und Spätmittelalter besonders gut für Gemeinschaften, die zwar ein geistliches Leben führen, sich aber nicht der strengen Klausur oder der persönlichen Armut der monastischen Frauenorden (wie den Benediktinerinnen) unterwerfen wollten. Seit dem 13. Jahrhundert war dem Kloster zudem ein bedeutendes Spital angeschlossen. Im gleichen Jahrhundert begann sich die Stadt Lindau allmählich aus der Herrschaft des Stiftes herauszulösen, was zu langwierigen Auseinandersetzungen führte.
Kaiser Friedrich III. verlieh der Äbtissin Ursula von Siegberg (1432–1467) in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert (1466 oder 1472) die Würde einer geistlichen Reichsfürstin. Das Stift erlangte in der Folge die Reichsunmittelbarkeit und gehörte seit dem 16. Jahrhundert zum Schwäbischen Reichskreis. Doch das sonst übliche Stimmrecht im Reichstag erhielten Äbtissin und Stift nicht, denn es mangelte an einem weltlichen Herrschaftsgebiet.[2] Obwohl die gefürstete Äbtissin zu Lindau in der Reichsmatrikel veranschlagt war, hatte sie keinen Anteil an einer der beiden Kuriatstimmen (im Schwäbischen und/oder im Rheinischen Reichsprälatenkollegium). Besonders in der Zeit nach der Verleihung der Reichsunmittelbarkeit entwickelte sich das Stift (vermutlich ohne dass die Augustiner-Regel offiziell aufgegeben wurde) de facto zu einem freiweltlich-adeligen Damenstift. In der Praxis bedeutet dies, dass die Stiftsdamen keine ewigen Gelübde mehr ablegten, Privatbesitz haben bzw. behalten durften und gegebenenfalls wieder austreten und heiraten konnten.
Während die Stadt Lindau 1528 protestantisch wurde, blieb – dank der Unterstützung durch den Kaiser Karl V. – das verarmte Stift bei der katholischen Lehre. In den Jahren 1748–1750 wurde die barocke Stiftskirche erbaut. Das Reichsstift Lindau wurde 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Das Stift fiel an den Fürsten Karl August von Bretzenheim, der 1804 Lindau gegen Ländereien in Böhmen und Ungarn eintauschte. Im Stiftsgebäude wurde das Landratsamt untergebracht, die 1922 teilweise abgebrannte Stiftskirche als katholische Pfarrkirche genutzt.
Fürstäbtissinnen
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- 1030–1040 Alberada von Urach
- 1043–1050 Utta (Tuta) von Landenberg, Äbtissin freiweltlicher Damenstift Buchau und Lindau
- Mitte 12. Jh. Udelhild von Spitzenberg
- 1270–? Sigena von Schellenberg
- 1276–? oder um 1250 Guta von Trisun (Jutta von Trysen) unter König Rudolf von Habsburg
- 1347–? Clara I.
- 1360–1364 Katharina I.
- 1364–1390 Agnes von Wolffurt
- 1392–1410 Clara II. von Wolffurt
- 1432–1467 Ursula I. von Sigberg
- 1467–1491 Ursula II. von Prassberg
- 1491–1531 Amalia von Reischach
- 1531–1578 Katharina II. von Bodmann
- 1578–1614 Barbara von der Breiten-Landenberg
- 1614–1634 Susanna von Bubenhofen
- 1634–1676 Anna Christiane Hundbiss von Waltrams
- 1676–1689 Maria Rosina Brymsin von Herblingen
- 1689–1720 Maria Magdalena von Hallwyl (von Herblingen)
- 1720–1730 Maria Franzisca Hundbiss von Waltrams
- 1730–1743 Maria Anna Margaretha von Gemmingen (1711–1771)
- 1743–1757 Therese Wilhelmine von Pollheim-Winkelhausen
- 1757–1771 Maria Anna Margaretha von Gemmingen (1711–1771)
- 1771–1781 Maria Josepha Agatha von Ulm-Langenrhein
- 1782–1796 Friederike von Bretzenheim (1771–1816), war die bekannteste Fürstäbtissin und wurde in der Geschichte des „lieben Augustin“ von H. W. Geißler literarisch bedacht.
- 1797–1800 Maria Anna Franziska Susanna Clara Ferdinanda von Ulm-Langenrhein
- 1800–1803 Vakant
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Norbert Backmund: Die Kollegiat- und Kanonissenstifte in Bayern. Poppe-Verlag, Kloster Windberg 1973. S. 127–130.
- Karl Bosl (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 7: Bayern (= Kröners Taschenausgabe. Band 277). 3. Auflage. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-27703-4, S. 391 ff.
- Heinrich Gwinner: Freistätten im Mittelalter, insbesondere die Freiung des adeligen Stifts zu Lindau am Bodensee. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 63. Jg. 1936, S. 29–54. (Digitalisat)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ LINDAU, KANONISSENSTIFT – Geschichte
- ↑ Moser, S. 748: „Stiftung 1043. Ohne Gebiet. Zudem war das Stift kein Mitglied in einem der beiden Kollegien der Reichsprälaten. Matrikel 1755 also falsch.“
Koordinaten: 47° 32′ 48,5″ N, 9° 41′ 15,4″ O