Super Meat Boy 3D - Review

Ein kleines Team aus Deutschland schafft das Unmögliche

Super Meat Boy 3D im Test: Traumhafte Steuerung trifft altbekanntes Konzept
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Der Wechsel in die dritte Dimension ist gerade für das Platformer-Genre eine historisch schwierige Aufgabe. Für jedes Super Mario 64 gab es eine Handvoll Katastrophen, die an dieser Herausforderung scheiterten. Zwar existieren mittlerweile genügend erfolgreiche 3D-Platformer, doch werden diese von Beginn an auch als solche konzipiert. Das ist eine grundlegend andere Herangehensweise, als einem zweidimensionalen Konzept die Z-Achse hinzuzufügen.

Mehr als nur Transferleistung

Vielleicht war ich deswegen etwas skeptisch bei der Ankündigung von Super Meat Boy 3D. Über 15 Jahre nach der Veröffentlichung des modernen Indie-Klassikers sollte nun eine dreidimensionale Umsetzung folgen? Und das auch noch von einem kleinen Studio namens Sluggerfly aus Deutschland. Kann das überhaupt gutgehen, wenn der letzte Wiederbelebungsversuch der Marke mit dem Auto-Runner Super Meat Boy Forever kläglich gescheitert ist?

Ja, kann es. Sehr sogar. Denn Super Meat Boy 3D ist eine extrem gelungene Adaption des originalen Konzepts und übernimmt so ziemlich jeden Aspekt, den man sich für ein neues Super Meat Boy wünscht. Fast fühlt es sich so an, als wäre kaum Zeit zwischen den Spielen verflogen. Noch immer geht es darum, dass ihr in der Rolle von Meat Boy eure Freundin Bandage Girl am Ende der knackig schweren Level erreichen müsst, um sie aus den Klauen des bösen Dr. Fetus zu retten. Genauso wartet am Ende jeder Welt ein Bosskampf auf euch, vor dem ihr entweder flieht, während ihr einen besonders harten Hindernisparcours absolviert, oder für eine gewisse Zeit seinen Angriffen innerhalb einer abgesteckten Arena ausweicht.

Wem die normalen Level noch nicht herausfordernd genug sind, kann das versteckte Pflaster in jeder Stage finden, um zusätzliche Charaktere mit teils anderen Fähigkeiten freizuschalten. Oder ihr versucht euch daran, die tödlichen Gebiete so schnell wie möglich zu überwinden. Denn auch in Super Meat Boy 3D existiert wieder eine Dark World. Unterbietet ihr eine für den Level festgelegte Zeit, schaltet ihr eine noch schwierigere Variante frei, die es für das Erreichen der vollen 100 Prozent ebenso gilt, in Rekordzeit zu schlagen.

Natürlich dürfen geheime Levelausgänge nicht fehlen. Diese führen zu speziellen Bonus-Stages, nach deren Abschluss ihr besonders seltsame Figuren freischaltet.

Miyamoto wäre stolz

All das bringt natürlich nichts, wenn das darunter liegende Fundament nicht funktioniert. Zum Glück kann ich auch hier berichten, dass die Leute bei Sluggerfly grandiose Arbeit geleistet haben. Wer die Essenz von Super Meat Boy in ein neues Spiel transferieren will, muss vor allem die präzise Steuerung erhalten, die durch das Einführen der dritten Dimension exponentiell an Komplexität gewinnt. Gerade bei Abschnitten, die stark in die Tiefe gehen und innerhalb von Sekundenbruchteilen das Abschätzen kleinerer Abstände verlangen, um nicht an den Levelanfang zurückgeschickt zu werden.

Ich war selbst erstaunt davon, mit was für einer Leichtigkeit ich Meat Boy präzise an schrägen Wänden platzieren oder ihn per Wall Run darauf entlanglaufen lassen kann. Natürlich gibt einem die Perspektive nicht dieselbe Übersicht wie bei einem zweidimensionalen Super Meat Boy. Deshalb verlangt das Spiel von euch auch nicht denselben Grad an Perfektion wie beispielsweise die Dark-World-Abschnitte aus der finalen Welt des Originals. So sind die Lücken zwischen rotierenden Sägeblättern deutlich größer und selbst schmale Plattformen lassen kleine Fehleinschätzungen zu.

Trotzdem empfand ich gerade die alternativen Stages späterer Welten als extrem herausfordernd. Manchmal auch aus den falschen Gründen, wenn die Kamera zu weit zurückging und ich zielsuchende Raketen oder Höllengeister in ihrer Position nicht richtig einschätzen konnte. Seltene Momente, die dennoch reale Grenzen des Systems aufzeigen, auch wenn das Team ansonsten immer die richtige Balance fand. Eine Leistung, die sicherlich extrem viel Playtesting sowie schlaflose Nächte abverlangte und die ich deswegen an dieser Stelle noch einmal explizit hervorheben will.

Lesbarkeit der Hindernisse ist in einem präzisen Platformer wie Super Meat Boy 3D besonders wichtig. Gerade, wenn es in die Tiefe geht. Die Positionierung der Kamera leistet fast immer exzellente Arbeit.

Games Done Quick

Als Fan von Speedruns bin ich ebenso begeistert, dass Super Meat Boy 3D einem kaum Steine in den Weg legt, wenn es um die Optimierung der Routen geht. Durch die dritte Dimension gewinnt das Spiel an neuen Freiheiten, manche Hindernisse komplett zu überspringen. Sei es durch den cleveren Einsatz von Wandsprüngen oder die aus Super Meat Boy Forever übernommene Dash-Funktion, die euch das Überwinden größerer Schluchten erlaubt.

Überall lassen sich kleine Abkürzungen finden und viele davon scheinen auch gewollt zu sein, wenn ich mir manche der verlangten Rekordzeiten ansehe. Generell hat das Team bei Sluggerfly darauf geachtet, dass sämtliche Hindernisse ohne Warterei überwunden werden können, solange man den Fuß niemals vom Gaspedal nimmt. Beziehungsweise den Finger vom Trigger eures Controllers.

Die Bosse sind solide, aber auch kein spielerisches Highlight. Wie das restliche Spiel wagen sie keine komplett neuen Ideen.

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht

Was den allgemeinen Aufbau des Leveldesigns betrifft, fühlt sich das Ganze wie eine Kombination aus Super Meat Boy und Spielen eines gewissen japanischen Konsolenherstellers an. Ja, die kreisrunde Markierung unter eurem Charakter zur besseren Orientierung stammt aus Crash 4. Alles andere, das nicht bereits in Super Meat Boy existierte, wurde recht offensichtlich aus diversen Nintendo-Titeln entliehen. Statt der schwebenden Fässer eines Donkey Kong Country, schießen hier beispielsweise irgendwelche mutierten Monsterfliegen durch die Gegend.

Das größte Vorbild dürfte allerdings Super Mario 3D World gewesen sein. Nicht nur, was die Kameraperspektive betrifft. Viele der späteren Hindernisse haben dort ihren klaren Ursprung und werden clever mit Elementen aus Super Meat Boy kombiniert. Zum Beispiel pulsierende Ringe, die sich nun nicht nur am Boden, sondern auch an den Wänden befinden, was zu deutlich komplexeren Strukturen führt.

Prinzipiell habe ich auch nichts dagegen. Ganz im Gegenteil. Das Vermischen von Ideen erschafft neue Dinge und alles fügt sich hier organisch zusammen. Allerdings zeigt es auch die kreativen Grenzen des Spiels auf. Denn so sehr ich Super Meat Boy 3D schätze, bleibt es letztendlich hinter seinem vollen Potenzial zurück, da man alles längst kennt. Die Dark World mit ihren alternativen Herausforderungen ist eine großartige Sache. Aber eben auch etwas, das es 2010 schon gab. Alle wirklich neuen Sachen stammen ebenfalls aus anderen Titeln. Die meisten davon älter als zehn Jahre.

Damit will ich dem Team überhaupt nicht ihre ansonsten großartige Leistung absprechen. Aber gerade nach über 15 Jahren erwarte ich von einem Super Meat Boy mehr als den Sprung in die dritte Dimension. Wo sind die neuen Welten mit frischen Konzepten? Was ist mit Bosskämpfen, die mehr machen als die bekannten Strukturen des Originals zu kopieren? Wo bleiben all die kreativen Überraschungen, die ein Super Meat Boy einst zu dem Ausnahmetitel seiner Zeit machten? Vielleicht mag es für manche zu viel verlangt sein. Ich hingegen sehe ein verdammt gutes Videospiel, das ganz kurz davor war, einer der besten 3D-Platformer seiner Zeit zu werden.

Fazit

Ich war nach der Ankündigung des Spiels recht skeptisch. Wie gut kann Super Meat Boy mit seinem präzisen Platforming in der dritten Dimension funktionieren? Die Antwort ist recht simpel: Verdammt gut! Zwar gibt es hier und da kleinere Probleme mit dem Abschätzen der Tiefe, wenn ihr den putzigen Fleischklumpen weiter hinten im Bildschirm manövrieren müsst. Allerdings sind das verschmerzbare Momente im Angesicht der ansonsten fantastischen Kontrolle. Ebenso kann ich dem Spiel fehlende Innovation vorwerfen, da alle neuen Ideen anderen Titeln wie Super Mario 3D World entnommen wurden. An der letztendlichen Umsetzung dieser Kombinationen kann ich jedoch nichts aussetzen. Super Meat Boy 3D ist eine gelungene Fortführung der Reihe und fordert euch mindestens genauso wie das Original.

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  • Platform
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8
Sehr gut
Eine gelungene Umsetzung des knallharten Indieklassikers in die dritte Dimension.
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