Pete Sampras muß sich dem Beugemuskel beugen
Erschöpfter Amerikaner reist vor dem Viertelfinalspiel des Grand Slam Cups ab - Becker genießt gewohnte Umgebung
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DW
München - Bleich, hohlwangig und unrasiert, Pete Sampras sah müde aus und erschöpft. Sein Körper rebellierte gegen die Anstrengungen der vergangenen Tage. Vor dem Viertelfinalspiel beim Grand Slam Cup in München gegen Goran Ivanisevic gab der Weltranglistenerste bekannt, daß für ihn das Turnier vorzeitig beendet ist. "Das Daviscup-Wochenende in Moskau hat mich mehr Substanz gekostet als ich befürchtet habe. Danach war ich einem körperlichen Zusammenbruch schon sehr nahe", sagte der Amerikaner. Turnierarzt Werner Zirngibl attestierte eine "hochgradige Entzündung der Oberschenkelbeuge- und Wadenmuskulatur am Ansatz des rechten Kniegelenks, ausgelöst durch die heftigen Krämpfe in Moskau". Immerhin durfte sich Sampras mit 762 500 Dollar Schmerzensgeld trösten, aber deshalb sei er nicht nach München gekommen, sagte er. "Ich habe genug Geld, meine Gesundheit ist mir wichtiger." Auch Zirngibl bemühte sich, den Ausstieg von Sampras medizinisch zu untermauern. "Pete hat in den letzten Tagen wirklich alles versucht und viel über sich ergehen lassen, aber es ging einfach nicht." Am Montag war der Amerikaner in München angekommen, die Muskulatur schmerzte noch, nachdem er beim Daviscup-Sieg der Amerikaner in Moskau zweimal im Einzel und im Doppel eingesetzt worden war. Fast zwei Tage lang hat er dann nur geschlafen oder sein lädiertes Bein behandeln lassen. "Ich war schon einen Schritt weiter, aber durch das Match gegen Patrick McEnroe bin ich wieder zwei Schritte zurückgeworfen worden." Gestern flog Sampras zurück in die USA.Zurück ließ er die Zweifel am sportlichen Wert des Einladungsturniers in München. Schon seit Jahren wird kritisiert, daß die besten Tennisprofis der Welt nur nach München kommen, um am Ende des Jahres noch einmal viel Geld zu verdienen. Der sportliche Wert ist umstritten, weil keine Punkte für die Weltrangliste vergeben werden.Nach der Absage von Sampras hat sich der Kroate Goran Ivanisevic bereits für das Halbfinale qualifiziert. Die Runde der letzten vier Spieler will auch Boris Becker unbedingt erreichen. Der 28 Jahre alte Deutsche wirkt in München entschlossen, hochmotiviert und nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Frankfurt noch immer im Siegesrausch, wie er sagt. Heute (14 Uhr/live bei Sat 1) spielt er gegen den Amerikaner Todd Martin.Becker genießt in München die gewohnte Umgebung, freut sich über einfache Dinge. Er könne im eigenen Bett schlafen und zu Hause essen. "Das ist auf der ATP-Tour selten der Fall. Es ist einfach angenehm, in München spielen zu dürfen", erzählte Becker. Vermutlich ist der Heimvorteil ein Grund dafür, daß sich Becker beim Grand Slam Cup so entspannt und locker präsentiert. Die vertraute Umgebung scheint ihn erstaunlich zu motivieren, zum ersten Mal "habe ich meine gute Form von Frankfurt nach München retten können". Das war 1994 nicht der Fall, nach dem verlorenen ATP-Finale verabschiedete sich Becker beim Grand Slam Cup im Viertelfinale gegen Ivanisevic. Entscheidend für Beckers sportlichen Erfolg am Ende des Jahres ist in erster Linie der Aufschlag. "Ich kann mich nicht erinnern, daß mein erster und zweiter Aufschlag jemals so konstant war. Ich schlage den Ball in alle vier Ecken, mit Kick oder Drive, wie ich es gerade möchte, und alles funktioniert perfekt." Bei dem Hochgeschwindigkeitstennis in der Olympiahalle ist ein guter Aufschlag von großer Bedeutung, denn, so Becker, "wenn man ein Break kassiert, rennt man danach nur noch bergauf". Auf sein Service vertraut auch Beckers Halbfinalgegner Todd Martin, obwohl der Amerikaner nicht so konstant aufschlug. Becker hat vor Martin keine Angst, "die Aufgaben werden sowieso von Runde zu Runde immer schwerer, da ist es mir doch völlig egal, wie der Spieler auf der anderen Seite heißt".